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AUFBRUCH ZUM MOND – spannendes Filmerlebnis aus Anlass: 50 Jahre Mondlandung

Inhalt:

Damien Chazelle führt Regie, Steven Spielberg leitet die Produktion und DreamWorks Pictures ist mit Universal Pictures Co-Produzent von Aufbruch zum Mond: Da ist die Erwartungshaltung natürlich so groß wie die beteiligten Namen.

Die Story ist schnell erzählt. Es ist die Geschichte von der Astronautenkarriere des ersten Menschen auf dem Mond, Neil Armstrong, gespielt von Ryan Gosling. Daher nennt sich der Film im Englischen First Man: The Life of Neil A. Armstrong. Aber der Titel täuscht. Hintergründig geht es um einen ungeschminkten Blick auf die wahre bemannte Raumfahrt. In der Kosmetik-Branche würde man sagen, ein Film im Nude-Look.

Genau diese gnadenlos gehaltene Schlichtheit ist, was sicherlich jeden Zuschauer am Anfang irritierte. So gibt es zum Beispiel anfangs und auch später über große Strecken des Films absolut keine Musik. Ausschließlich authentische Geräusche bestimmen den ersten gewagten Flug von Neil Armstrong als X- 15 Pilot bei seinem suborbitalen Flug, dessen Landung beinahe schiefgeht. Nur ganz fein und hintergründig dosiert findet Musik langsam ihren Weg in den Film, bis sie grandios in der Landung auf dem Mond kulminiert.

Auch ganz typisch für den Film, er geht ganz nahe an die Menschen heran. Man sieht in langen Sequenzen nur Gesichter und ihre Mimik. Es geht darum, was die Menschen in den extremen Situationen der Raumfahrt erleben und fühlen und das tut der Film mit akribischer Präzision. In diesen eindringlichen Szenen werden meist nur wenige Worte gewechselt. Als der NASA-Direktor auf der Toilette Neil, der sich gerade die Hände wäscht, fast nebenbei erzählt: „Wir möchten, dass du Apollo 11 (die erste Landung auf dem Mond) kommandierst“, antwortet Armstrong, ohne sich um zudrehen, ungerührt und seelenruhig „Okay“.

Genau so war Neil Armstrong. Ein hervorragender Jet-Pilot mit fingerdicken Nerven, der nur wenig redete und seinen Empfindungen kaum Ausdruck geben wollte. Diese Vorzüge, die ihn zum ersten Menschen auf dem Mond machten, führten seine Familie an den Rand des Abgrundes. Auch diese Geschichte erzählt der Film detailgetreu und genau darin liegt seine Stärke.

Astronaut sein bedeutet, ständig um das Verständnis der Familie für die tödlichen Gefahren zu werben. Aber wer wenig redet, hat damit Probleme.

Diese parallele Geschichte wird in grandioser Weise von Claire Foy, im Film Neils Ehefrau Janet, gespielt. Sie ist der eigentliche Star dieses Films. Ihr gelingt der schauspielerische Spagat zwischen der auf der einen Seite einfühlsamen, besorgten Ehefrau („I just want a normal life“) und andererseits einer unmissverständlichen Haltung, dass Neil offen zu den Problemen seines Berufes stehen und sie darin einbeziehen soll.

In eindringlichen und energischem Ton hält sie ihm am Tag, als er die Koffer für seinem Mondflug packt, vor: „Before you fly, you need to talk to your boys. This is not my job, it‘s yours.“ Diese Szene und die darauf folgende, die zeigt, wie Neil diese schwierige Aufgabe gegenüber seinen Söhnen innerlich zerrissen und unglaublich linkisch bewältigt, sind die familiären Schlüsselszenen des Films.

Was den Film außerdem so ganz anders macht ist, dass er durchgehend in natürlichem „available light“ gedreht wurde. Keine sorgfältig gesetzten Studioscheinwerfer, kein Studioreflektor als Aufheller. Nie, nirgendwo. Die Bildkontraste gehen daher bis an die Grenzen des Erträglichen. Auf der anderen Seite vermittelt dieses natürliche kontrastreiche Licht eine beeindruckende Authentizität der Szenen; man hat immer das Gefühl, nichts ist gespielt.

Vielmehr fühlt man sich als Voyeur der meist angespannten familiären Szenen. Szenen einer Ehe neu verfilmt in nahezu brutalem Realismus. Es gibt auch keine vermittelnde Musik, die einem helfen würde, diese Situationen einzuordnen und per Emotionen näher zu bringen. Nur hie und da leise melancholische Harfenklänge, die den Szenen sanft unterlegt wurden.

Dass dieser Film auf ganz leisen Sohlen daherkommt, belegen auch die Animationen. Der Film ist ein Kunstwerk aus der Verknüpfung von original Filmmaterial der Apollo-Ära und hinzugefügten Animationen. Selbst einem Kenner gelingt es nur schwer zu unterscheiden, was original und was animiert ist.

Die Gemini 8 Kapsel, in der Neil Armstrong zusammen mit David Scott seinen ersten Raumflug unternahm, und der beinahe tödlich endete – was der Film sehr bewegend darstellt –, ist absolut echt, keine Frage.

Aber die Darstellungen des kritischen Dockings von Gemini 8 an die Agena-Stufe, die animiert sein muss, weil es damals keinen außenstehenden Betrachter gab, ist so perfekt animiert, dass man schier verblüfft ist, wie das möglich ist. Hier muss Damien Chazelle die Gemini-Blaupausen bei der NASA extrem genau abgekupfert haben.

Es ist der Dramatik des Films geschuldet, dass die Geräusche in einer Raumkapsel gegenüber der Wirklichkeit überzeichnet sind. Außerdem gibt es einige Szenen, die rein fiktiv sind, worauf der Text im Abspann auch offen hinweist. So hat Armstrong bei seinem Außenbordeinsatz auf der Mondoberfläche nie ein kleines Kettchen (zur Erinnerung an seine Kollegen, die beim Training ums Leben kamen) in die dunkle Tiefe eines kleinen Mondkraters geworfen.

Ein in jeder Hinsicht absolut ehrlicher Film. Wer aber wissen will, wie es hinter den Kulissen der Raumfahrt zugeht, mit allen Höhen und Tiefen, der muss da einfach rein. Selbst im Ende bleibt sich der Film in seiner gewollten Art, anders zu sein, treu: Beim ersten Wiedersehen nach der Mondmission und nach der vorausgegangenen Zerrissenheit nähern sich Neil und Janet wortlos und über eine gefühlte Ewigkeit wieder langsam und vorsichtig an. Diese bewegende Schlussszene kann man nicht beschreiben, man muss sie gesehen haben.

(aus „online Focus“)

 


Details:

Schauspieler: Ryan Gosling, Claire Foy, Kyle Chandler, Corey Stoll
Regie: Damien Chazelle
Genre: Drama nach wahrer Begebenheit
Länge: 141 Min.
Alterszulassung: ab 10 Jahre
Land: USA
Erscheinungsjahr: 2019

 


Spielzeit:

Montag,        21. Oktober;          20.00 Uhr  (Saal 2)