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BENJAMIN BLÜMCHEN


Inhalt:

Dumbo war schon dran, Simba ebenfalls – jetzt bekommt auch Benjamin Blümchen seine Realverfilmung. Für Kinder geht das ironiefreie Hurratüten-Spektakel auf, für Erwachsene bietet es einen sozialkritischen Unterton.

Afrikanische Elefanten leben in engen Familienverbunden. Sie sind freundlich, empathisch, hilfsbereit und halten ihre Truppe durch lautstarkes Trompeten zusammen. Insofern ist Elfie Donnellys „Benjamin Blümchen“ das Prachtexemplar eines gutmütigen Dickhäuters. Als Ersatzfamilie scharen sich ein Junge namens Otto, Zoodirektor Tierlieb, Tierpfleger Karl, Reporterin Karla Kolumna und ein trotteliger, aber harmloser Bürgermeister um das Tier.

Benjamins charakteristischem, etwas deppert klingenden „Törööö!“ (das, Nerd-Funfact, bis in die Achtzigerjahre hinein ein „Trörööö!“ war) kann man seit über 40 Jahren, dem Start der Kinder-Hörspiel- und Zeichentrickserie, nicht entgehen, wenn man auch nur entfernt mit Menschen unter zehn Jahren zu tun hatte.

Donnellys erfolgreiche Hurratüte nach dem Vorbild der zweiten „Elliot, das Schmunzelmonster“-Verfilmung „Pete’s Dragon“ (2016) in einen Realfilm mit CGI-Hauptfigur zu verwandeln, trifft demzufolge gleich mehrere Trends. Mit den Real-CGI-Mixen „Aladdin“, „Dumbo“, dem „Dschungelbuch“ und dem „König der Löwen“ versucht Disney momentan zu etablieren, auf welchem technischen Level Familienunterhaltung im 21. Jahrhundert angegangen – und woher sie generiert wird: Aus bekannten Figuren nämlich, deren größtenteils bereits erwachsene Fans den eigenen Erinnerungen treu bleiben, diese aber auch gleichzeitig den eigenen Kindern vorbehaltlos ans Herz legen.

Die Abenteuer dieser Helden und Heldinnen sind meist harmlos und fantastisch, ihre Welt wimmelt von anthropomorphen Tieren und pittoresken Atmosphären, die, je nach Altersstufe, als „kindgerecht“ gelten.

Der von Tim Trachte („Abschussfahrt“) inszenierte „Benjamin Blümchen“-Spielfilm richtet sich – genau wie sein Zeichentrick- und Hörspiel-Vorbild – an die jüngste Zielgruppe. Er bleibt inhaltlich in diesem Rahmen: In Sachen Renovierung hinkt Zoodirektor Tierlieb (Friedrich von Thun) ziemlich hinterher. Seit Jahren wurde der kleine Neustädter Tierpark nicht mehr modernisiert. Die Soundanlage ist fehleranfällig, die Futterautomaten schießen Nüsschen und die Holzbänke sind morsch und halten kaum das Gewicht eines Kindes aus, ganz zu schweigen von dem eines Elefanten.

Als die windige Geschäftsfrau Zora Zack (Heike Makatsch) mit ihren tumben Vasallen Hans (Max von Thun) und Franz (Johannes Suhm) Tierlieb verspricht, dem Zoo mit einem Modernisierungskonzept finanziell auf die Sprünge zu helfen, braucht es eine Weile, bis Benjamin (gesprochen von der Original-Hörspiel-Stimme Jürgen Kluckert) und Otto (Manuel Santos Gelke) den Plan im Hintergrund durchschauen: Frau Zack geht es nur um Profit.

Die Tiere, die bislang in James Krüss’scher Harmonie („Ich wär so gerne Zoodirektor“, 1969) ohne Käfige, Mauern und Zäune zusammenlebten wie im Paradies vor der Vertreibung, sollen sich nach Zacks Willen à la „Gehegesharing“ in kleine Käfige quetschen, das laute Rüsseltier will sie am liebsten loswerden. Dass sie die freien Flächen zudem mit (Luxusapartment-)Hochhäusern bebauen möchte, erinnert dezent, aber nicht versehentlich an die größten kommunalen Wohnprobleme dieser Zeit – Wohnraum ist eben nicht nur in Berlin und München, sondern scheinbar auch in Neustadt ein Objekt der Spekulation.

Trachte und seiner Drehbuchautorin Bettina Börgerding („Bibi & Tina“) gelingt in ihrem Film eine behutsame, manchmal behäbige Renovierung des Titelcharakters, dessen etwas unsolider CGI-Auftritt vermutlich nur animationsaffine Ältere stört. Das Artifizielle des Zoos, in dem im Hintergrund Stachelschweine durch die Rabatten wackeln und Giraffen nickend über den Weg stelzen und die typische Blümchen-Ausgangssituation (mal wieder den Zoo retten) atmet altmodisches Flair.

Und setzt sich damit, ob bewusst oder finanziell bedingt, von lauten, grenzenlos animierten, aktuellen Kinderabenteuern ab. Sogar Michael Thilos altes, bis 1987 eingesetztes Titellied („Und der Zwerg, das ist ja Otto“), welches das aktuelle, pausbäckig-trutschige „Benjamin, du lieber E-le-fant“ um Längen schlägt, wird integriert: Als Hobby-Singer-Songwriter reimt Wärter Karl (Tim Oliver Schultz) Blümchen auf Kaninchen, Bienchen und Hühnchen.

Witze, die auch bei erwachseneren Zuschauern ziehen, wie eine bei „Mission: Impossible“ abgekupferte, ulkige, fast am mächtigen Ele-Hintern scheiternde Abseilszene, sind zwar rar gesät – ganz nach dem Motto, dass Ironie auf kleine Kinder verschwendet ist. Doch immerhin bieten die Kostüme der modemutigen Zora Zack, ausgearbeitet von Mo Vorwerck, eine Augenweide. Begleitende Erwachsene können sich damit schon ein wenig über Wasser halten.

(aus „Spiegel online“)

 


Details

Schauspieler: Manuel Santos Gelke, Heike Makatsch, Friedrich von Thun, Dieter Hallervorden, Uwe Ochsenknecht
Regie: Tim Trachte
Genre: Realverfilmung der beliebten Geschichten des sprechenden Elefanten
Länge: 91 Min.
Alterszulassung: ohne Altersbeschränkung
Land: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2019

 


Spielzeit:

Sonntag,         22. September          14.30 Uhr  (Saal 2)