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DAS ZWEITE LEBEN DES MONSIEUR ALAIN

Inhalt:

Fabrice Luchini lernt als Monsieur Alain nicht nur die Sprache wieder, sondern auch sich selbst neu kennen. Logopädin Jeanne hilft ihm dabei.

Ein Schlaganfall wirft den Automobil-Manager Alain Wapler aus der Bahn. In Hervé Mimrans Film „Das zweite Leben des Monsieur Alain“ ist der Hirninfarkt allerdings vor allem ein Beitrag zur Herzensbildung.

Als Boss ist dieser Mann herzlos gegen andere, aber auch rücksichtslos gegen sich selbst. Als er eines Morgens mit Schmerzen erwacht, sein linker Arm nicht mehr gehorcht, zwängt er sich aus dem Bett und in den Anzug, als wäre nichts passiert. Er mag stürzen, in Ohnmacht fallen, sich erbrechen, einen Arzt aber ruft er nicht. Alain Wapler ist gewiss sehr schlau, wenn es ums Geschäft geht, aber auch komplett ignorant, was seine Gesundheit betrifft. Selbstmörderisch arbeitssüchtig, wie er ist, bringt ihn der zweite Anfall schließlich ins Krankenhaus.

Es wird ein tragikomisches Erwachen: Wapler ist scheinbar sofort wieder ganz der Alte, der unausstehliche Chef, der sagt, wo es langgeht. Doch keiner versteht ihn mehr, und er wird auch bald die Welt nicht mehr richtig verstehen, denn Erinnerungsvermögen und Sprachzentrum sind geschädigt.

Inspiriert ist diese Tragikomödie eines kranken Charakters durch die Lebensgeschichte des Managers Christian Streiff, der nach einem Schlaganfall 2008 bei Peugeot/Citröen rausflog. Darüber schrieb er seinen Lebensbericht „J’étais un homme pressé“: Ich war ein gehetzter Mann.

Der gehetzte Witwer Wapler, der seine Tochter (Rebecca Marder) nur nach Terminvergabe sieht, will noch mit aller Macht eine neue Elektro-Limousine beim Genfer Autosalon vorstellen. Die Logopädin Jeanne (Leila Bekhti) soll ihm dabei helfen. Dabei redet er wundersam wirres Zeug.

Als Autor hat Hervé Mimran Silbensalat in Gaga-Sätze gegossen. Weil Hauptdarsteller Fabrice Luchini die Fehlleistungen des abgestürzten Überfliegers mit trockenem Ernst vorträgt, entwickelt diese Tragikomödie zumindest im französischen Original einen Wortwahnwitz von stets disziplinierter Absurdität. Luchini versteht es aber auch, Wapler durch Blicke sprechen zu lassen, die davon erzählen, dass er verloren ist in seiner vormals vertrauten Welt und verwundert, weil er sich endlich selbst erkennt.

Die Medizin, die der Film seiner Hauptfigur verabreicht, ist hochwirksames Moralin. Schließlich verordnet Hervé Mimran seinem Patienten Läuterung durch Krankheit. So malad, wie Monsieur Miesling ist, muss er irgendwann auch milde werden. Fabrice Luchini führt seine Figur mit kleinen unsicheren Schritten zur Demut, weshalb man es dem Manager auch gönnt, dass er am Ende wieder Mensch sein darf.

(aus „Echo“)

 


Details:

Schauspieler: Fabrice Luchini, Leïla Bekhti, Rebecca Marder, Igor Gotesman
Regie: Hervé Mimran
Genre: Tragikomödie
Länge: 100 Min.
Alterszulassung: ab 10 Jahre
Land: Frankreich
Erscheinungsjahr: 2019

 


Spielzeit:

Montag,     23. September     20.00 Uhr  (Saal 2)