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DER GESANG DER FLUSSKREBSE

Inhalt:

 Verarbeitet Autorin Delia Owens in ihrem Roman etwa ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Mord an einem Mann?

Im Kino startet die Besteller-Verfilmung „Der Gesang der Flusskrebse“ . Darin geht es um eine junge Frau (Daisy Edgar-Jones), die in den Sümpfen des amerikanischen Südens aufgewachsen ist und des Mordes an einem ehemaligen Geliebten verdächtigt wird.

Der atmosphärische und spannende Streifen lebt nicht nur von den faszinierenden rauen Landschaften, sondern auch von einem tollen Cast und einer mysteriösen Geschichte. Einer Geschichte, die auf wahren Begebenheiten beruht. Zumindest so ungefähr.

„Der Gesang der Flusskrebse“ basiert auf dem gleichnamigen 2019er-Erfolgsroman der US-amerikanischen Zoologin und Schriftstellerin Delia Owens. „Where The Crawdads Sing“, so der Originaltitel, ist ihr Debütroman.

Mit ihrem damaligen Ehemann, dem Zoologen und Biologen Mark Owens, verbrachte sie in den 1970er-Jahren ganze sieben Jahre in Kalahari, eine der abgelegensten Wüsten der Welt. Dort verfassten sie bahnbrechende Studien über die unberührte Wildnis und vor allem die schwarzmähnigen Kalahari-Löwen sowie die Schabrackenhyäne, die das Paar berühmt machten. Auch für den Schutz der dort lebenden Elefanten machten sie sich stark.

All die Eindrücke der unberührten Natur, die Delia Owens gemacht hatte, verarbeitete sie auch in ihrem Roman und sind auch in der Verfilmung allgegenwärtig. Protagonistin Kya erkundet nicht nur die Natur rund um sich, sondern entdeckt vor allem Gemeinsamkeiten zwischen den Verhaltensweisen von Tieren und Menschen. Kya beobachtet die Tiere ganz genau und lernt dadurch, auch mit den Menschen in ihrem Leben umzugehen.

Dieser Teil der Erzählung scheint also von realen Erfahrungen inspiriert zu sein.

Nicht ganz so klar ist hingegen, inwiefern die Story rund um den Mord an Chase (Harris Dickinson) vom wahren Leben inspiriert wurde. Hier ist die Sache um einiges komplizierter, komplexer und somit auch mysteriöser.

Wie „Screenrant“ betont, „scheint [es] keine Frau in öffentlichen Aufzeichnungen zu geben, die wie die Figur in ‚Der Gesang der Flusskrebse‘ allein in einem Sumpf lebte und für nicht schuldig befunden wurde, einen Mann getötet zu haben.“ Allerdings „gibt es Verbindungen zu [Delia] Owens Vergangenheit.“

Delia und Owen wurden bei ihrer Arbeit als Naturschützer in Afrika von Chris Owens unterstützt, Marks Sohn und somit Delias Stiefsohn. Eine Doku des Senders ABC berichtete gar über die Bemühungen der Familie, Elefanten vor WildererInnen zu beschützen. Diese TV-Natur-Dokumentation wurde schließlich allerdings zu einer Crime-Doku mit dem Namen „Deadly Game: The Mark and Delia Owens Story“.

In der Doku (aus dem Jahr 1996) ist zu sehen, wie Mark Pfadfinder anweist, WildererInnen, die in den Nationalpark, in dem die Owens arbeiteten, kamen, zu erschießen. Als daraufhin tatsächlich ein mutmaßlicher Wilderer in Sambia erschossen wurde, nachdem er einen Campingplatz betrat, wurden die Familie Owens zu Verdächtigen in diesem Mordfall.

Eine spätere Untersuchung ergab, dass Chris angeblich zwei der drei Schüsse auf den mutmaßlichen Wilderer abgefeuert hatte. Die Familie bestritt jedoch stets vehement, an der Schießerei beteiligt gewesen zu sein. Laut Delia war Chris zum Zeitpunkt des Mordes gar nicht im Camp gewesen. Ihrer Meinung nach wurde ihr Sohn mit dem Kameramann Chris Everson verwechselt. Dieser jedoch gab an, dass Chris Owens und ein weiterer Pfadfinder die Schüsse abgaben.

Die Ermittlungen dauern bis heute an, die Familie Owens bleibt nach wie vor bei ihrer Aussage, unschuldig zu sein.

In „Der Gesang der Flusskrebse“ wird zwar eine andere Art von Mordfall erzählt, doch trotzdem gibt es Parallelen, wie „Screenrant“ richtig analysiert. So empfinden wir ZuschauerInnen in beiden Fällen nicht allzu viel Mitgefühl für das Opfer, ist er doch ein (mutmaßlicher) Wilderer beziehungsweise Gewalttäter. Stets tendieren wir dazu, auf der Seite der (scheinbaren?) TäterInnen zu stehen.

Zudem ist sehr lange Zeit nie ganz klar, ob Kya tatsächlich für den Mord an Chase verantwortlich ist oder nicht – zumindest bis zur allerletzten Minute, als sich herausstellt, dass sie trotz ihres Freispruchs tatsächlich den Mann getötet hat. Sollte Chris tatsächlich den (mutmaßlichen) Wilderer getötet haben, sind sowohl er als auch Kya mit dem Mord davon gekommen.

Ähnlich wie Kya vor ihrem Tod eine Notiz hinterlassen hat, die ihre Schuld bewies, gibt es das Gerücht, dass auch Mark Owens eine Notiz schrieb, auf der steht: „Zwei Wilderer wurden getötet und einer verwundet … wir wärmen uns gerade auf.“

Hat Delia Owens also beim Verfassen von „Der Gesang der Flusskrebse“ auf persönliche Erfahrungen mit Mordfällen zurückgegriffen – unabhängig davon, ob ihre Familie tatsächlich den (mutmaßlichen) Wilderer erschossen hat oder nicht? Was auch immer die Wahrheit sein mag: Der Gänsehautfaktor des Films ist somit um ein Vielfaches gestiegen!

 


Details:

Mit: Daisy Edgar-Jones, Taylor John Smith, Harris Dickinson, David Strathairn, Michael Hyatt
Regie: Olivia Newman
Genre: Literaturverfilmung
Länge: 127 Min.
Alterszulassung: ab 14 Jahre
Land: USA
Erscheinungsjahr: 2022


Spielzeit:

Sonntag,               2. Oktober           20.15 Uhr  (Saal 2)