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DER SCHLIMMSTE MENSCH DER WELT

Inhalt:

Joachim Triers neuester Film spielt in Oslo und war für zwei Oscars nominiert – für den besten internationalen Spielfilm und das beste Original-Drehbuch. Der Film bietet ein gelungenes Generationen- und Zeitporträt.

Wer glaubt zu wissen, wie eine Romantikdramödie funktioniert, der wird hier doch nochmal überrascht. Denn „Der schlimmste Mensch der Welt“ ist nicht der Mann, dessen Herz die Filmheldin gewinnen will, sondern sie selbst! So viele Talente sind Julie in die Wiege gelegt, dass sie gar nicht weiß, in welcher Disziplin sie am meisten glänzen könnte.

„Sie studierte nur Medizin, weil das das einzige Studium war, für das sich die ganze Lernerei am Gymnasium gelohnt hatte, für das ihre Einsen tatsächlich etwas bedeuteten.“

Schließlich erkennt sie, dass ihre eigentlichen Berufung die Psychologie ist. Sie interessiert sich viel mehr für die Gedanken und Gefühle von Menschen, nicht nur für ihre Körper.

Leider fühlt sich auch das bald nicht mehr richtig an, und Julie wird Fotografin. Ein ums andere Mal erfindet sie sich neu, aber fühlt sich doch nur wieder als Versagerin. Denn in der Liebe läuft es nicht viel besser. Kaum hat sie sich unsterblich in einen Mann verliebt, schon kommen ihr wieder Zweifel.

Diese Heldin könnte einem leicht auf die Nerven gehen mit ihrer Entscheidungsunfähigkeit. Aber Hauptdarstellerin Renate Reinsve versprüht auf der Leinwand ein derartiges Funkeln, dass sie trotz allem begeistert – auch die Jury in Cannes, die ihr die silberne Palme verlieh. Als Julie fängt sie mit knapp 30 eine Beziehung mit Aksel an, der die 40 schon überschritten hat und ein etablierter Comiczeichner ist. Er will Familie, Kinder mit ihr und sie will sich bloß noch nicht festlegen.

Was ist nun überhaupt romantisch an diesem Film, in dem die Hauptfigur doch ständig alles zerstört? Es ist ihr aufrichtiges Bemühen, die wahre Liebe und ihren Platz im Leben doch noch zu finden. Und Regisseur Trier hat ja auch Verständnis für Julies Entscheidungsschwäche: Es gebe nicht unendlich viele Möglichkeiten im Leben, aber er könne ihre Sehnsucht danach nachvollziehen. Dass sein Film so gefeiert wird, liegt an der extrem kreativen, fast spielwütigen Inszenierung. Es gibt eine Freeze-Szene, in der alle Welt stehend schläft wie hinter Dornröschens Dornenhecke und nur die Heldin sich auf ihren Liebsten zubewegt. In einer anderen Szene lernt Julie bei einer Hochzeitsparty Eivind kennen.

Weil beide fest gebunden sind, erkunden sie die Grenzen der Untreue. Darf man sich gegenseitig beim Pinkeln zuschauen, sich Zigarettenrauch in den Mund blasen? Eine umwerfende Szene, die bezeichnend ist für den ironischen Geist des Regisseurs. Aber auch für Tragik ist sein Film offen. Letztlich ist ja die begrenzte Zeit, die wir haben, die fieseste Spaßbremse. Nur müssen manche sehr lange Jahre erwachsen werden, um das zu erkennen. Mit „Der schlimmste Mensch der Welt“ liefert Joachim Trier indirekt auch ein Generationen- und Zeit-Porträt.

„Es gibt ja die Tradition, das Thema Liebe zu benutzen, um sehr viel mehr zu erzählen als nur, dass zwei Menschen sich küssen“, sagt Joachim Trier. „Und das haben wir hier wohl auch versucht.“

Je mehr Freiheit der moderne Mensch hat, desto komplizierter wird es mit der Selbstverwirklichung. Das führt dieser originelle Film in zwölf variantenreichen Kapiteln vor. Und auch Oslo mit seinem besonderen nordischen Licht ist als Filmstadt eine echte Entdeckung.


Details:

Mit: Renate Reinsve, Anders Danielsen Lie, Herbert Nordrum, Hans Olav Brenner u.a.
Regie: Joachim Trier
Genre: Originelle Dramödie
Länge: 128 Min.
Alterszulassung: ab 14 Jahre
Land: Norwegen, Frankreich
Erscheinungsjahr: 2022


Spielzeit:

Freitag,               1. Juli             18.15  Uhr  (Saal 2)
Mittwoch,          6. Juli            20.00 Uhr  (Saal 2)