Image Image Image Image Image
Scroll to Top

To Top

Menü
Mehr Infos
Read More

DER SOMMER MIT ANAIS

Inhalt:

„Mein Sommer mit Anaïs“ hat alles, was eine französische Komödie ausmacht: Eine außereheliche Affäre, gelungen in Szene gesetzte Landschaften, geschmackvolle Schauplätze und zwei sehr charmante Hauptdarstellerinnen.

So dynamisch und ein wenig atemlos wie die Musik gleich zu Beginn des Films läuft auch Anaïs durch ihr Leben. Schnell ist klar, diese flippige junge Frau ist ein chaotisch-charmantes Energiebündel, das weder leicht zu bändigen noch stressfrei anzuschauen ist. Seit „Lola rennt“ ist im Kino kaum eine Frau so hastig von einem Ort zum anderen unterwegs gewesen. Anaïs will mit ihrem Fahrrad in den Fahrstuhl, aber nur in Begleitung, weil sie klaustrophobisch ist. Sie hört ihrem Gegenüber nicht zu, textet aber jeden voll, und als sie endlich in ihrer Wohnung ankommt, hat ihre Vermieterin wenig Chancen, ihr eigentliches Anliegen vorzutragen.

Anaïs: „Verzeihung, Guten Tag, warten Sie schon lange?“
Vermieterin: „Na ja, wir waren verabredet…“
Anaïs: „Ja, tut mir leid, ich hasse es zu spät zu kommen, aber ich musste unbedingt noch Blumen kaufen, bevor der Laden schließt. Für eine, eine…ach, Pardon…möchte Sie vielleicht irgendetwas trinken? Einen Saft aus roten Früchten?“
Vermieterin: „Äh, sehr gern.“
Anaïs: „Oh nein, Ach Mist, hab keinen mehr. Möchten Sie vielleicht einen Tee, falls Ihnen nicht sowieso zu heiß ist?“
Vermieterin: „Nein nein, alles gut…“

Natürlich ist nichts wirklich gut, zwei Monatsmieten stehen aus, aber so wie die Vermieterin schnell dem Charme der jungen Frau erliegt, hat Anaïs auch die Zuschauerinnen und Zuschauer bald auf ihrer Seite. Denn die kompromisslose Entdeckungslust der Literaturstudentin kennt keine Grenzen. Hals über Kopf stürzt sie sich in eine Affäre mit dem deutlich älteren Daniel, einem Verleger, den sie auf der Party eines gemeinsamen Freundes kennenlernt, nur um dann das Foto seiner abwesenden Ehefrau Emilie so stimulierend zu empfinden, dass sie die unbedingt kennenlernen muss. Emilie ist Schriftstellerin, und Anaïs nimmt kurzerhand einen Job an, um der Frau ihrer mittlerweile Ex-Affäre bei einem Kolloqium näher zu kommen.

Emilie: „Was wollen Sie von mir, Anaïs?“
Anais: „Nichts. Na ja, ich wollte Sie kennenlernen. Ich glaube, wir könnten uns gut verstehen. Ich glaube, wir sind uns ähnlich.“

Emilie lässt sich auf Anaïs Annäherungsversuche ein, im doppelten Sinne, denn die beiden spüren eine Seelenverwandtschaft, die sich auch körperlich ausdrücken will. Und wenn die beiden Frauen, höchst harmonisch und bezaubernd dargestellt von Anaïs Demustier und Valeria Bruni Tedeschi, in leichten Sommerkleidchen beschwingt zu dem 1980er-Hit „Bette Davis Eyes“ mit betörenden Blicken umeinander herumtänzeln, kann auch der plötzlich auftauchende Gatte und Ex-Lover Daniel nichts mehr aufhalten.

Emilie: „Ah, ich glaube du kennst Anaïs?“
Anaïs: „Wir haben uns bei Patrique gesehen, ich weiß nicht, ob Sie sich erinnern?“
Daniel: „Ja, ja, geht es Ihnen gut?“
Anaïs: „Ja, danke.“
Daniel: „Wusste nicht, dass Sie Schriftstellerin sind.“
Anaïs: „Na, ich bin ja auch keine Schriftstellerin.“
Daniel: „Ich dachte, das sei ein Kolloqium nur für Leute, die schreiben.
Anaïs: „Ist ja auch so. Ich bin nur als Besucherin hier, wenn Sie so wollen.“
Emilie: „Siehst du Daniel, da hast du es, es gibt noch Leute, die sich für Literatur begeistern!“
Daniel: „Schön, schön.“

Anaïs läuft sprunghaft, mädchenhaft und traumtänzerisch durch das Leben – so wie einst Emilie, die aber gelernt hat, nicht nur ihrem Hedonismus zu frönen. Sie fügt ein paar ernsthaftere Momente ein, ebenso wie die Krebskrankheit von Anaïs‘ Mutter, die in dieser ansonsten federleichten Komödie voller Lebenslust auch einen Hauch Lebensleid anklingen lässt.

(aus „NDR – Filmtipp“)

 


Details:

Mit:  Anaïs Demoustier, Valeria Bruni Tedeschi, Denis Podalydès
Regie: Charline Bourgeois-Tacquet
Genre: Komödie, Romanze
Länge: 99 Min.
Alterszulassung: ab 12 Jahre
Land: Frankreich
Erscheinungsjahr: 2022


Spielzeit: