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EINE GRÖSSERE WELT

Inhalt:

Die Gesichter eines Mannes und einer Frau zwischen weißen Laken. Mit Sinnlichkeit bewegen sie sich, fast schwerelos, verbunden durch Berührungen. Aber die Zärtlichkeit dieser Szene verfliegt, als Corine die rot verweinten Augen öffnet. Offenbar war es nur eine Erinnerung an vergangene Nähe, an eine verlorene Liebe, gegenwärtig nur für die Dauer eines Traumes.

Es gehört zur Qualität der Filme von Fabienne Berthaud, dass sie die Tragödie nicht benennen muss, es stattdessen bei Andeutungen belässt. Der Art, wie sich Cécile de France als Corine durch ihre große Wohnung bewegt, in der ein Mensch fehlt. Wie sie sich auch zu Hause in den Schutz eines schweren Mantels hüllt. Wie sie mechanisch durch die Straßen von Paris läuft. Und schließlich gedankenverloren im Tonstudio neben ihrem Kollegen sitzt, der es ihr nachsieht, dass sie bei der besten Version eines Songs die Aufnahme gar nicht gestartet hatte.

Immer wieder hat Fabienne Berthaud die Geschichten von Frauen erzählt, die sich durch existenzielle Krisen in ein anderes, freieres Leben treiben lassen. In „Barfuß auf Nacktschnecken“ zum Beispiel, 2010, oder fünf Jahre später in „Sky“, beide mit Diane Kruger, die bei Berthaud viel aufregender wirkte als in Hollywood, wo sie lange auf die unnahbare Eiskönigin festgelegt war. Jetzt hat Cécile de France diesen Part der Verbündeten übernommen, die auch ein Alter Ego der Regisseurin ist.

Zum ersten Mal verfilmt Berthaud ein fremdes Buch, die autobiografische Initiationsgeschichte von Corine Sombrun, die den nomadischen Schamanismus für sich entdeckt und rituelle Trancezustände als Forschungsgebiet von Medizin und Neurologie etabliert hat. Mit ihr zusammen tritt sie ihre bisher weiteste Reise an, in die Mongolei, in der Nähe der Grenze zu Sibirien. Im Film ist es Corines Kollege im Tonstudio, der sie auf Reisen schickt. Sie soll Töne sammeln, Geräusche, Gesänge, lokale Musik, für eine Reihe mit Dokumentationen über Spiritualität. Im Rhythmus eines viele Stunden durchs Land schunkelnden Busses taucht Corine immer tiefer in die fremde, größere Welt ein, in ihre Farben und Klänge. Das Grün der weich geschwungenen Hügellandschaften. Die bunten Stofffetzchen, die im Wald zwischen den Bäumen flattern. Das Trappeln der Wildpferde und Rentiere. Das Knistern von Hagelkörnern auf dem Waldboden. Das Klingeln der Glöckchen an den Trachten der Schamanen.

Mitten in der Geisterbeschwörungszeremonie in einer Jurte verliert Corine die Distanz der Beobachterin, wird in den Sog der Rhythmen der Trommeln gerissen, bis sie selber beginnt, wie ein Wolf zu heulen. Sie sei auch eine Schamanin, heißt es danach, und dass sie in die Lehre gehen müsse, um in der Welt der Geister nicht verloren zu gehen. Corine ist fasziniert, denn mit ihrem verstorbenen Mann zu kommunizieren ist ihre Antriebskraft für dieses Abenteuer. Zur Ausbildung gehört zunächst der Alltag auf dem Land, Wasser vom Fluss schleppen, Holz hacken, Ziegen melken.

Mit Corine, die nach Monaten der Trauertaubheit endlich wieder etwas zu spüren beginnt, nimmt auch der Zuschauer die Umgebung mit allen Sinnen wahr. Berthaud lässt die Kamera gerne so lange laufen, bis die Grenze zwischen Rolle und Persönlichkeit verwischt, und es keinen Unterschied mehr gibt zwischen Dokumentation und Inszenierung. Mehr als üblich bei Dreharbeiten wird das Gefilmte auch gelebt, von den Recherchereisen bis zu abenteuerlichen Dreharbeiten in einer schwer zugänglichen Region ohne Strom, fließendem Wasser und Internet. So wird man auch als Zuschauer Teil dieser Exkursion und Sinnsuche.

(aus „Süddeutsche Zeitung“)


Details:

Schauspieler: Cecile de France, Ludivine Sagnier, Narantsetseq Dash, Tserendarizav Dashnyam
Regie:  Fabienne Berthaud
Genre: Drama
Länge: 100 Min.
Alterszulassung: Ab 14 Jahre
Land: Frankreich, Belgien
Erscheinungsjahr: 2020

 


Spielzeit:

Freitag,           25. September         20.00 Uhr  (Saal 2)
Dienstag,        29. September         20.15  Uhr  (Saal 1)