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I AM GRETA

Inhalt:

Musste das sein? Jetzt auch noch ein Film über Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg, nachdem der Weltrettungsdevotionalienhandel bereits zentnerweise Bücher über sie auf den Markt geworfen hat nebst Greta-Pappaufstellern, Greta-Kissen und Greta-Mützen mit Greta-Zöpfen?

Ja, unbedingt. Greta Thunberg ist ein unverstandenes globales Phänomen und zugleich ein Spiegel, in dem sich unsere Gegenwart in ihrer ganzen Ignoranz, ihrer Brutalität und, auch das, in ihrer Lernfähigkeit erkennen kann. Denn wie kann das sein? Da sitzt 2018 in Stockholm eine fünfzehnjährige Schülerin mutterseelenallein vor dem Parlament, neben sich ein Plakat mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“. Passanten wollen wissen, ob sie nicht besser daran tue, in der Schule etwas zu lernen, und die Demonstrantin antwortet mit dem berühmten Satz: „Wozu lernen für eine Welt, in der es keine Zukunft gibt?“ Ein Jahr später demonstrieren sieben Millionen Schüler zeitgleich bei Fridays for Future.  Ihre Ikone ist – Greta Thunberg.

I am Greta heißt Nathan Grossmans Dokumentarfilm über die junge Frau aus Stockholm, bei der im Alter von zwölf Jahren das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde. Gewiss, man sieht Bilder, wie sie im E-Auto zusammen mit ihrem Vater Svante ihr Pferd aufsucht, man sieht die kleine Greta mit ihren Hunden und auf Urlaubsvideos. Aber Grossmans Film ist keine Homestory, kein Privatissimum, sondern eine Würdigung. Er will dem Zuschauer klarmachen, warum diese hochintelligente Frau so außergewöhnlich ist: Sie hat die Kraft zur selektiven Aufmerksamkeit und konzentriert sich allein auf ein Thema, auf das wichtigste von allen, auf den verheerenden Zustand des Planeten. Immer wieder verweist Thunberg auf die Forschung; sie hat eine Mission, sie duldet keine Ausreden, und mit ihrer stoischen Gewissheit, mit ihrem Wahr-Sprechen löst sie Millionen Menschen die Zunge – all denen, die sich hilflos fühlen gegenüber der Übermacht der Kohlenstoff-Lobby, den Realitätsverleugnern und auch den Medien, für die ein Klimakollaps nur ein Thema unter anderen war. Viele ihrer Fans scheinen ihr dafür regelrecht dankbar zu sein. Die Zeit war reif für eine Greta Thunberg – sie war bereits erwartet worden.

Thunberg bekommt eine Audienz beim Papst, sie trifft den UN-Generalsekretär António Guterres, und „Napoleon“ Macron trifft sie auch. Ein wenig hochmütig blickt der Präsident auf die zierliche Besucherin herab. Oder ist es Unsicherheit? Überhaupt wirken die meisten Politiker seltsam gönnerhaft, vorneweg Jean-Claude Juncker, bei dessen empörend selbstgefälliger Rede Thunberg die Kopfhörer abstreift. Sie ist fassungslos. Nein, diesem Mann will sie nicht länger zuhören.

Grossmans Dokumentarfilm ist kein ästhetisches Experiment; er ist konventionell gedreht und begleitet mit einem inneren Staunen eine ganz und gar uneitle Frau, bei der man sich fragt, wie sie dem öffentlichen Druck standhält. Einmal sieht man, wie Greta Thunberg in einem der üblichen Billighotels vor ihrem Laptop sitzt und an einer Rede feilt. Sie verfügt über ein fotografisches Gedächtnis und ist unglaublich penibel, vor allem bei Übersetzungen. Ihr Vater ist genervt und findet, sie könne ruhig mal fünfe gerade sein lassen. Dann möchte Greta die Formulierung „Massensterben“ verwenden, ihr Vater findet das übertrieben. Vergeblich. Seine Tochter beharrt darauf.

Warum zeigt Grossman das? Weil er das Gerücht widerlegen will, Greta sei die Sprechpuppe ihres Vaters und zu keinem eigenen Gedanken fähig. Das jedenfalls ist die Lieblingsdenunziation ihrer Gegner, die sie mit loderndem Hass überziehen. Auch Trump und Bolsonaro ergehen sich in Hohn und Häme, vermutlich können sie es nicht verkraften, dass ihnen diese Frau ein konservatives Urmotiv entwendet: die Bewahrung der Schöpfung. „Wie könnt ihr nur über Geld und Wachstum reden?“

Einmal zeigt Grossman, wie seine Heldin verloren in der Malizia II hockt, einem brutal schnellen, spartanisch eingerichteten Regatta-Geschoss, mit dem sie der Hamburger Skipper Boris Herrmann über den Atlantik nach New York zum UN-Klimagipfel segelte. Der Passagierin ist zum Kotzen, es geht ihr miserabel, Heimweh hat sie auch. Es ist nicht der einzige Moment in diesem Film, an dem Greta Thunberg den Eindruck vermittelt, sie, die Menschenscheue, sollte dringend in Ruhe gelassen werden und müsse endlich ihr eigenes Leben leben – ein Leben, das den Zuschauer nichts angeht.

 


Details:

Schauspieler:
Regie:  Nathan Grossmann
Genre: Dokumentation
Länge: 99 Min.
Alterszulassung: Ab 10 Jahre
Land: Frankreich, Deutschland, Schweden, USA
Erscheinungsjahr: 2020


Spielzeit:

Montag,        1. November           18.00 Uhr  (Saal 2)