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IGOR LEVIT – NO FEAR

Inhalt:

Igor Levit ist ein Popstar der Klassikbranche – ein Ausnahmepianist und politischer Aktivist. Fast zwei Jahre lang hat ihn die deutsche Filmemacherin Regina Schilling mit der Kamera begleitet und die Höhen und Tiefen eines rastlosen Musikerlebens und dessen Zäsur durch Corona eingefangen. „Igor Levit – No fear“ lautet der Titel ihrer Dokumentation.

Wie ein unruhiges Rennpferd wirkt Igor Levit wenige Sekunden vor seinem Auftritt im Amsterdamer Concertgebouw. Das Öffnen der Bühnentür und der aufbrandende Applaus sind gleichsam der Startschuss, dann geht es auf direktem Weg die Stufen hinunter zum Klavier. Erster Programmpunkt: Beethovens Sonate Nr. 30.

Als herausragender, perfektionistischer Künstler, der musikalisch an die Grenzen geht und in den sozialen Medien mit klaren politischen Positionen auftritt, wird der 35-Jährige öffentlich wahrgenommen. Eine aufwändig produzierte, typische Klassik-Doku hätte nicht zu ihm gepasst, sagt Regina Schilling, Regisseurin des Films „Igor Levit – No Fear“.

„Eine frühe Inspiration war D. A. Pennebakers Konzertfilm über Bob Dylan,’Don’t Look Back‘. Auch er war einfach nur begleitend dabei, im Stil des Direct Cinema.“

Mit einem kleinen Filmteam begleitete Schilling Igor Levit auf seinen Konzertreisen, zu Anspielproben, Aufnahmen oder Podiumsdiskussionen, oft mit Handkamera und meist ohne zu intervenieren. In minutenlangen Einstellungen beobachtet man ihn beim Klavierspielen, das ihn auch körperlich an seine Grenzen führt, und bekommt auch eine Ahnung von den Folgen der permanenten Belastung, von Einsamkeit und schierer Verzweiflung ob 108 geplanter Konzerte im Jahr 2020.

Lichtblicke bieten da die Aufnahmesessions mit dem Tonmeister Andreas Neubronner, zu dem Levit ein geradezu zärtliches Vertrauensverhältnis pflegt, während eine Beethoven-Sonate oder Ronald Stevensons „Passacaglia on DSCH“ Takt für Takt durchgegangen wird. Als Ruhepole des Films bekommen diese Sequenzen großes Gewicht.

Mit einfachen Mitteln stellt „Igor Levit – No fear“ große Nähe zum Protagonisten her – der schon vor dem Dreh die Grenzen gezogen habe, so Schilling.

„Er mochte es zum Beispiel nicht, dass wir nach einem Konzert mit ihm backstage gehen. Er sagte, da bin ich so fertig, da will ich alleine sein. Es wird ja auch so gut wie gar nichts über seine Familie erzählt.“

Auch Igor Levit als Aktivist, sein Engagement bei den Grünen und seine Kritik an der politischen Rechten in den sozialen Medien, kommen im Film nur am Rande vor. „No fear“ postete der Pianist auf Twitter, nachdem er Morddrohungen erhalten hatte. Der gleichlautende Filmtitel steht aber auch für seine Ängste als Spitzenmusiker, die er ausgerechnet während der Corona-Pandemie überwand, als er statt täglicher Auftritte virtuelle Hauskonzerte gab.

„Das wird vielleicht wiederkommen bei mir, aber ich hab‘ jetzt so gar keinen Leistungsdruck auf der Bühne. Null! Nach diesen drei Monaten“, sagt Levit in die Kamera, kurz bevor er im Wiener Konzerthaus seinen ersten Auftritt vor Publikum nach dem ersten Lockdown absolviert.

Die Zäsur als Befreiungsschlag: Deutlicher lassen sich die Zumutungen einer Solistenkarriere wohl nicht vor Augen führen.

(aus „Ö1“)

 


Details:

Mit: Igor Levit, Andreas Neubronner, Franz Welser-Möst, Markus Hinterhäuser, Antonello Manacorda
Regie:  Regina Schilling
Genre: Dokumentation
Länge: 119 Min.
Alterszulassung: Ab 10 Jahre
Land: Österreich
Erscheinungsjahr: 2023


Spielzeit: