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Mrs. TAYLORS SINGING CLUB

Inhalt:

Kate Taylor (Kristin Scott Thomas) ist ein Leben in Sorge gewohnt. Ihren Sohn hat sie bereits bei einem Einsatz in Afghanistan verloren. Und auch ihr Mann ist als Offizier immer wieder im Kriegsgebiet. Um sich und andere Gattinnen von Soldaten auf andere Gedanken zu bringen, gründen sie und Lisa (Sharon Horgan) einen eigenen Chor, der sich auf der Militärbasis zum Proben trifft. Trotz des gemeinsamen Ziels, einfach ist die Zusammenarbeit nicht, sind sie doch zu verschieden bei ihrem Auftreten. Und auch das nicht immer überragende Talent der Frauen stellt die beiden regelmäßig vor eine schwierige Aufgabe. Doch mit der Zeit raufen sich alle zusammen und finden in der Musik ein Ventil, um ihren Gefühlen freien Raum zu lassen …

Filme über Soldaten gibt es natürlich nicht zu knapp, die Filmgeschichte ist schließlich vollgestopft mit Kriegsdramen. Gerne auf der Strecke bleiben in dem Zusammenhang aber oft die Angehörigen eben dieser Soldaten. Frauen und Kinder dürfen, sofern sie überhaupt einen Platz in der Geschichte ihrer Männer finden, lediglich zur moralischen Unterstützung auftauchen. Etwas, an dem Männer festhalten können, wenn Einsamkeit und Bomben aufs Gemüt schlagen. Aber wie erleben sie die schwierigen Zeiten eigentlich? Wie geht man damit um, wenn dein Partner die ganze Zeit fort ist und du nie ganz sicher sein kannst, ob du ihn noch mal lebend wiedersiehst?

Thematisch ist Mrs. Taylor’s Singing Club deshalb auf jeden Fall interessant. Vereinzelt taucht zwar mal einer der Soldaten auf, um das Publikum daran zu erinnern, dass es sie noch gibt. Ansonsten aber stehen tatsächlich die Frauen im Mittelpunkt.  Regisseur Peter Cattaneo (Ganz oder gar nicht) macht aus diesem Stoff eine gefällige Tragikomödie, die den Ernst der Lage mit Musik übertönt.  Außerdem vertraut der Film auf die immer wieder beliebte Erkenntnis, dass in der Gemeinsamkeit Halt zu finden ist, aus geteiltem Leid halbes Leid wird.

Das ist dann natürlich schon schön und beruhigend, ein bisschen Eskapismus wird in turbulenten Zeiten wie diesen immer gern gesehen. Die Auswahl der Lieder scheint darauf abzuzielen, dass das Publikum möglichst viele davon bereits kennt. Das kann tatsächlich mal berührend sein, etwa in einer Szene, in der die Truppe eine Version von Yazoos Only You zum Besten gibt. Der Film, der auf dem Toronto International Film Festival 2020 Premiere hatte, ist aber weniger Herzensangelegenheit als vielmehr eine Best-of-Compilation. Das erinnert an die Partys, bei denen irgendwann immer wieder die bewährten Sachen gespielt werden.

Aber es ist nicht nur die Musikauswahl, bei der man auf Nummer sicher ging. Die Dramaturgie des Films folgt ebenfalls ganz  dem Takt. Dass die beiden so grundverschiedenen Frauen mit der Zeit zusammenfinden scheint ebenso obligatorisch wie die Teamwerdung des Haufens. Wenn irgendwann nach einem Zwischenhoch ein tiefer Fall kommt, doch noch ein tragisches Ereignis den Zusammenhalt auf eine Probe stellt, dürfte das Publikum weniger überrascht sein.  Die größte Schwäche von Mrs. Taylor’s Singing Club ist aber, dass die Frauen zu wenig Eigenständigkeit entwickeln. Dass sie alle zusammengebracht wurden, weil sie Frauen von Soldaten ist, sollte nicht dazu führen, sich nur als solche zu definieren.

Dafür passt die Besetzung. Tatsächlich schafft sie es trotz der zahlreichen Konventionen, dass man gerne zusieht. Der Kontrast zwischen Kristin Scott Thomas (Gosford Park) als steifem Alphaweibchen und der etwas lockeren Variante in Gestalt von Sharon Horgan (Game Night) sorgt für humorvolle Reibungen. Auch die weniger bekannten Kolleginnen, welche das Schauspiel- und Gesangensemble komplettieren, machen ihre Sache gut und sind sympathisch genug, um die inhaltlichen Belanglosigkeiten vergessen zu lassen. Wer also mal wieder etwas fürs Herz sucht, ohne dieses gleich überfordern zu wollen, findet in dieser Wohlfühl-Tragikomödie Anlass zum Schmunzeln und Schluchzen. Und ein bisschen Mitsummen ist auch  drin.


Details:

Schauspieler:   Kristin Scott Thomas, Sharon Horgan, Jason Flemyng
Regie: Peter Cattaneo
Genre: Tragikomödie
Länge: 112 Min.
Alterszulassung: ab 10 Jahre
Land: Großbritannien
Erscheinungsjahr: 2020


Spielzeit:

Sonntag,       20. Juni          18.15 Uhr  (Saal 2)