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WEST SIDE STORY von Steven Spielberg

Inhalt:

Steven Spielberg hat seiner Neuverfilmung eine raue, aber prächtige Modernisierung verpasst

Ein langer Schwenk aus der Luft über eine Baustelle, Häuserskelette und ein Haufen an ausgedienten Badewannen. Eine Tafel zeigt, dass einmal das Lincoln Center an dieser Stelle stehen wird. Es ist New York City in den 1950er Jahren. Entlang ihrer Kette wird der Blick auf eine riesige Abrissbirne gelenkt. Man fühlt mit diesen Bildern gleich von Beginn an: Hier geht es rau zu, hier herrschen Hoffnungslosigkeit und Brutalität. Steven Spielberg vermittelt bereits in den ersten Minuten das Grundgefühl seiner Neuverfilmung des Musical-Klassikers „West Side Story“

Und dann: Schnipp – der erste Jet springt energisch aus einem Kanal. Schnipp – drei weitere verlassen schwungvoll die Baustelle. Schnipp – weitere kommen aus dem Laden von Valentina zur Gang hinzu. Dazwischen eine Drehung, dann ein Sprung. In flottem Schritt laufen sie durch ihre Straßen, sekkieren, um nicht zu sagen: terrorisieren, auch das Viertel der Puertoricaner. Der Fingerschnipp zog sich schon durch die Filmversion aus dem Jahr 1961 und war dort ein häufigerer Teil der Choreografie.

Erdacht haben das Musical Regisseur und Starchoreograf Jerome Robbins, Komponist Leonard Bernstein, Texter Stephen Sondheim (der 91-Jährige verstarb im November kurz vor der Premiere des Films, er soll sich aber mit Spielbergs Version zufrieden gezeigt haben) und Theaterautor Arthur Laurents. Die Premiere fand am 26. September 1957 am Winter Garden Theatre am Broadway statt und wurde mit Tony Awards für Robbins und Bühnenbildner Oliver Smith ausgezeichnet. Der Film von Robert Wise und Jerome Robbins (1961) übertraf dann noch den Erfolg des Musicals: Er gewann zehn Oscars als bester Film, für die Regie von Robbins und Wise, für die Darsteller Rita Moreno und George Chakiris sowie für Kamera, Kostüme, Szenenbild, Ton, Schnitt und Musik.

2021 wagt sich nun Spielberg an dieses Mammutprojekt, und es ist bereits als beste Komödie/Musical für einen Golden Globe nominiert. Zu Recht. Die Zweifel an einem Remake der Shakespeare’schen Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte im New York der 1950er beseitigt der Starregisseur schnell: Er verharmlost den Bandenkrieg der weißen Jets und der puertoricanischen Sharks nicht. Ganz im Gegenteil: Klar zeigt er Rassismus, Migration, patriarchalisches Machogehabe und sexuelle Belästigung – Valentina kann die Jets in ihrer Drogerie, die eine Art neutrales Gebiet für die Banden ist, nur verachtend als Vergewaltiger bezeichnen.

Rita Moreno ist Valentina, die 90-jährig „Somewhere“ – anstelle von Tony und Maria im Film von 1961 – singt. Diese Figur gibt es zwar im Original nicht, sie bringt aber eine inhaltliche Aufwertung (Drehbuch: Tony Kushner), wie auch jene von Tony und Bernardo, Marias Bruder. Bernsteins ursprünglich kammermusikalische Partitur zwischen Mambo und Opernkantilene ist zu amerikanischem Filmpathos aufgefettet, aber immer noch mitreißend. Ohrwürmer wie die „Amerika“-Nummer erinnern an das Original von Robbins, wenn auch choreografisch sehr vereinfacht durch Justin Peck.

Und die Darsteller? Wie nicht anders zu erwarten: großartig in Gesang, Tanz und Schauspiel. Da gibt es Rachel Zegler als scheinbar kindliche und resolute Maria und Ansel Elgort als sich-bessern-wollenden Tony. Elgorts volles Talent offenbart sich in einer tänzerischen Kampfszene mit Mike Faist, der Riff, Tonys ehemaligen Jets-Freund, darstellt. Ariana DeBose verkörpert die feurige, das Leben liebende Anita und David Alvarez ihren Mann und Boxer Bernardo, der die Sharks anführt.

 Ein Happy End gibt es auch bei Spielberg nicht. Oscars vielleicht schon.

(aus „Wiener Zeitung“)


Details:

Mit:  Ansel Elgort, Rachel Zegler, Ariana DeBose, David Alvarez, Rita Moreno
Regie: Steven Spielberg
Genre: Musicalverfilmung
Länge: 157 Min.
Alterszulassung: Ab 12 Jahre
Land: USA
Erscheinungsjahr: 2022


Spielzeit:

Sonntag,       23. Jänner         15.30 Uhr  (Saal 1)