Der iranische Meisterregisseur Jafar Panahi, Gewinner des Goldenen Bären (Taxi Teheran), des Goldenen Löwen (The Circle), wurde für EIN EINFACHER UNFALL in Cannes 2025 mit der Goldenen Palme für den Besten Film ausgezeichnet. Trotz seines langjährigen Berufsverbots ist es Jafar Panahi erneut gelungen, einen Film zu schaffen, in dem Humor und Ernsthaftigkeit eine Geschichte über den heutigen Iran und über jene erzählen, die es wagen, Widerstand zu leisten. Sein Gewinn der Goldenen Palme ist nicht nur ein künstlerischer Triumph, sondern auch ein bedeutender Sieg für die Meinungs- und Redefreiheit. Panahi hat in diesem Film auch seine eigene Haft-Erfahrung verarbeitet. Am selben Tag, an dem er mit drei Gotham Awards ausgezeichnet wurde, teilte sein Anwalt mit, dass er im Iran in Abwesenheit für „Propaganda gegen den Staat“ erneut für ein Jahr Haft verurteilt wurde.
EIN EINFACHER UNFALL ist hochkarätig besetzt mit Ebrahim Azizi („Me, Maryam, the Children and 26 Others“, „Killing the Eunuch Khan“), Vahid Mobasheri („The Witness“, „No Bears“), Mariam Afshari, Hadis Pakbaten, Majid Panahi und Mohamad Ale Elyasmehr.
Jafar Panahi ist ein international prominenter iranischer Regisseur und Demokratieaktivist. Sein aktueller Film „Ein einfacher Unfall“ läuft in unseren Kinos.
Was als kleiner Unfall beginnt, löst eine Reihe von eskalierenden Folgen aus. Der Gewinner der Goldenen Palme beim Filmfestival in Cannes 2025 und großer Oscar-Favorit.
Jafar Panahi wird seit Jahren verfolgt, verhaftet und inhaftiert. Trotz der wiederholten Filmverbote arbeitet der iranische Regisseur unbeirrt weiter. Panahi findet immer wieder Wege, seine Filme zu drehen und sie im Ausland zu zeigen.
„Ein einfacher Unfall“ („It Was Just an Accident“) nimmt das Publikum mit auf eine Albtraumreise durch ein Land, das von Bestechung und Brutalität geprägt ist. Es ist ein Film über Gerechtigkeit, der sich klaren Erwartungshaltungen entzieht. Zugleich ist er eine entschiedene Absage an autoritäre Gewalt und ein spannender, mitreißender Thriller. Bitterkeit, Spannung und schwarzer Humor greifen ineinander. Lachen wird hier zur Überlebensstrategie und zum Akt des Widerstands.
Der Film erzählt von staatlicher Gewalt und vom Wunsch nach Rache. Satirische, groteske und beinahe horror-komische Momente durchziehen die Handlung. Immer wieder erinnert das Geschehen an eine makabre Farce, ohne dabei den Ernst des Themas zu unterlaufen. Panahi zeigt den Schrecken, ohne ihm die Macht zu überlassen. Er weiß, wovon er spricht.
Ausgangspunkt ist eine nächtliche Autofahrt. Ein Mann ist mit seiner hochschwangeren Frau und der kleinen Tochter unterwegs, als er im Dunkeln einen Hund überfährt. Kurz darauf bleibt das Auto liegen. Er hält an einer Werkstatt, in der Vahid arbeitet. Vahid leidet an schweren Nierenschäden, eine Folge der Folter im Gefängnis. Als er den humpelnden Gang des Fahrers sieht, glaubt Vahid, seinem früheren Folterer begegnet zu sein, ohne sich sicher sein zu können. Auf der Suche nach Gewissheit beginnt er eine Reise zu anderen ehemaligen Häftlingen, die alle von derselben Person gefoltert wurden.
Dazu gehören der Buchhändler Salar, die Hochzeitsfotografin Shiva, ihr cholerischer Exfreund Hamid sowie die Braut Goli und der Bräutigam Ali, die mitten aus ihren Hochzeitsvorbereitungen gerissen werden. Der gemeinsame Peiniger liegt inzwischen betäubt im Kofferraum. Die Gruppe steht vor der Frage, was mit ihm geschehen soll. Moral wird nicht theoretisch verhandelt, sondern in konkreten Situationen und Gesprächen.
Immer wieder kreisen die Gespräche um eine zentrale Frage: Wird man selbst zu dem, was man bekämpft. Die Gruppe bewegt sich von Ort zu Ort. Die Tonlage kippt ständig zwischen Tragik, Komik und Schrecken.
Für Außenstehende mögen diese Momente mehr absurd als bitter wirken, etwa wenn Wachmänner Bestechungsgeld verlangen, das stets als Geschenk bezeichnet wird und inzwischen sogar kontaktlos per Kartenlesegerät bezahlt werden kann.
„Ein einfacher Unfall“ ist geprägt von Überlebenswillen. Der Film glaubt an eine Zukunft und erlaubt sich zugleich groteske Komik.
Auch dieser Film entstand ohne offizielle Genehmigung des iranischen Regimes. Panahi bleibt ein scharfer Kritiker der politisch klerikalen Führung des Landes. Bei den Filmfestspielen von Cannes, wo „Ein einfacher Unfall“ mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, sprach Panahi – der inzwischen wieder Reisen darf – über die enge Verbindung zwischen seinen Filmen und seiner Biografie.
Vor seinen ersten Gefängnisaufenthalten war die Kamera auf die Gesellschaft gerichtet. Mit seiner Verhaftung im Jahr 2010 änderte sich das. Das Arbeits- und Reiseverbot machten sein eigenes Leben zum Ausgangspunkt seiner Filme. Werke wie „This Is Not a Film“, „Taxi Teheran“ oder „No Bears“ entstanden aus direkter Erfahrung von Kontrolle und Isolation.
Die zweite Haft zwischen 2022 und 2023 prägte ihn, so Panahi im Interview, noch stärker. Er lebte monatelang mit anderen Gefangenen aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammen. Aus diesen Begegnungen entstand „Ein einfacher Unfall“. Die Figuren sind erfunden, ihre Geschichten beruhen aber auf realen Erfahrungen. Der Film zeigt Menschen, die das Regime auf sehr unterschiedliche Weise trifft. Politisch Aktive stehen neben Arbeiterinnen, die im Gefängnis sind, weil sie ihren Lohn einfordern.
„Ein einfacher Unfall“ spiegelt die gesellschaftliche Realität im Iran nach der Bewegung „Woman, Life, Freedom“. Man sieht widerständigen Alltag mit den Augen von Panahi. Frauen ohne Hijab im öffentlichen Raum. Es ist ein furchtloser, unterhaltsamer und eindringlicher Film, der persönliches Erleben und politische Gegenwart miteinander verbindet.
(aus „FM4“)
Oscars 2026: Auf der Shortlist für Bester Internationaler Film
Cannes 2025: Goldene Palme (Bester Film)
European Film Awards: Nominierungen für Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch und Lux Publikumspreis
Gotham Awards 2025: Beste Regie (Jafar Panahi), Bestes Originaldrehbuch (Jafar Panahi), Bester internationaler Film
New York Film Critics Circle Awards: Beste Regie (Jafar Panahi)
National Board of Review (USA): Bester internationaler Film
Schauspieler: Vahid Mobasseri, Mariam Afshari, Ebrahim Azizi
Regie: Jafar Panahi
Genre: Drama
Dauer: 102 Min
Zulassung: ab 14 Jahre
Land: Iran, Frankreich, Luxemburg
Erscheinungsdatum: 2026
Samstag, 24. Jänner 20.15 Uhr (Saal 2)
Montag, 26. Jänner 20.15 Uhr (Saal 1)