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Kino Katsdorf

MIT LIEBE UND CHANSONS

Paris in den 1960er-Jahren: Esther Perez bekommt ihr sechstes Kind, den kleinen Roland, der allerdings mit einer Fehlbildung am Fuß geboren wird. Trotz aller Ratschläge und ärztlicher Diagnosen verspricht sie Roland, dass er an seinem ersten Schultag wie alle anderen Kinder auf eigenen Beinen in die Schule gehen wird. Mit unerschütterlichem Optimismus versucht sie alles, um ihrem Sohn ein normales Leben zu ermöglichen – zum Beispiel mit Liebe und Chansons.

Die warmherzige Familiensaga über die Hingabe und Kraft einer Mutter basiert auf einer wahren Geschichte und berührt mit ihrer Tragikomik.

INHALT:

Ken Scott erzählt nach der Autobiographie des französischen Anwalts Roland Perez mit Verve von einer Mutter, die unermüdlich dafür kämpft, dass ihr mit einer Missbildung eines Fußes geborener Sohn ein normales Leben führen kann: Eine von der großartigen Hauptdarstellerin Leïla Bekhti getragene, ebenso humorvolle wie berührende Tragikomödie, die mitreißend die Liebe einer Mutter und das Leben feiert.

Ken Scott lässt seine Verfilmung mit dem französischen Anwalt und TV- und Radiomoderator Roland Perez beginnen. In seinem Zimmer an der Schreibmaschine sitzend schreibt der Endfünfziger seine 2021 erschienene Autobiographie „Ma mère, Dieu et Sylvie Vartan“. Mit diesem Einstieg wird nicht nur die Erzählperspektive vorgegeben, sondern Scott kann auch im Folgenden mit dem Voice-over von Perez Ereignisse zusammenfassen und das Erzähltempo hochhalten.

Von diesem Auftakt blendet der frankokanadische Regisseur ins Jahr 1963 zurück. Er lässt Perez als Erzähler die Situation seiner Eltern, die als marokkanischstämmige Juden mit fünf Kindern in Paris leben, skizzieren, um sogleich zu seiner eigenen Geburt zu kommen. Betroffen blickt der Arzt, denn ein Fuß des Babys hat eine Fehlbildung. Die Mutter Esther (Leïla Bekhti) nimmt ihren Roland aber voll Liebe auf, will nichts davon wissen, dass ihr Sohn einen Stützapparat benötigen und nie normal gehen wird.

Mit unermüdlicher Energie und Optimismus pilgert sie von Arzt zu Arzt, versucht dann durch Gebete zu Gott ein Wunder herbeizuführen, während der kleine Roland durch die Wohnung rutscht und eine Beamtin (Jeanne Balibar) auf Einschulung drängt und mit Kindesentzug droht. Schließlich wendet sich die Mutter an eine Heilerin, deren Anweisungen aber Roland zunächst nicht befolgt. Erst als ein Fernseher in sein Zimmer gestellt wird und er – zum Leidwesen der anderen Familienmitglieder – stundenlang Songs von Sylvie Vartan hören darf, bleibt er in seinem Korsett ruhig liegen und lernt schließlich langsam gehen.

Getragen von einer groß aufspielenden Leïla Bekhti erzählt Scott in seinem im Cinemascope-Format gedrehten Film mitreißend einerseits von der grenzenlosen Liebe einer Mutter andererseits von unerschütterlichem Glauben und Einsatz, die Berge versetzen können. Dabei tragen auch die prägnante Einbettung der Mutter-Sohn-Beziehung in die Großfamilie mit den fünf Geschwistern und einem zurückhaltenden Vater sowie die kräftigen Farben, Kleidung, Frisuren und Ausstattung, die dicht die Atmosphäre der 1960er Jahre evozieren, zum starken Gesamteindruck bei.

Der warmherzige Blick nimmt von Anfang an für diese Familie ein, während das hohe Erzähltempo, das auch durch die Musik unterstützt wird, dafür sorgt, dass nie Leerlauf aufkommt. Bei allem Ernst der Situation bewahrt „Mit Liebe und Chansons“ dabei immer Leichtigkeit, denn souverän mischt Scott nicht nur humorvolle und berührende Momente, sondern lässt diese auch immer wieder ineinander übergehen.

So sehr Scott aber auch die Leidenschaft und den Einsatz der Mutter feiert, so zeigt er doch mit dem Heranwachsen Rolands (Jonathan Cohen) deren Schattenseiten auf. Nicht loslassen will sie nämlich ihren Sohn, will für ihn eine Ehefrau aussuchen und ihn auch in seinem Beruf als Anwalt stets begleiten. Gleichzeitig fällt es auch Roland, der seiner Mutter nicht weh tun will, schwer, sich von ihr zu lösen und unausweichlich ist ein Konflikt, wenn er sie in ihre Schranken weist.

Mit der Anwaltstätigkeit kommt aber auch wiederum Sylvie Vartan ins Spiel, denn Roland darf das Idol seiner Kindheit zunächst interviewen und wird dann ihr Anwalt. Die Lieder des Stars der Yéyé-Generation durchziehen nicht nur den Film, sondern die 81-Jährige spielt sich auch selbst.

Über die Mutter-Sohn-Geschichte hinaus kommt aber mit dem Erwachsenenalter auch die ganze Bandbreite des Lebens ins Spiel, wenn sich sowohl das Glück einer großen Liebe einstellt, aber auch Todesfälle nicht ausbleiben. Weil hier aber nichts breit ausgewalzt wird, sondern beispielsweise unmittelbar auf eine bedrückende Diagnose das Begräbnis folgt oder ein Todesfall nur im Voice-over erwähnt wird, kommt nie Sentimentalität auf.

Stattdessen gewinnt diese berührende Tragikomödie gerade im Spannungsfeld von Freud und Leid ihre Lebensnähe und ihren Reichtum, wird aber nie niederschmetternd, sondern bleibt immer versöhnlich und optimistisch und feiert leidenschaftlich nicht nur die Liebe einer Mutter, sondern auch die Schönheit des Lebens.

(aus „film-netz.com“)

DETAILS:

Schauspieler: Leïla Bekhti, Jonathan Cohen, Joséphine Japy, Lionel Dray, Jeanne Balibar, Sylvie Vartan
Regie: Ken Scott
Genre: Tragikomödie
Dauer: 102 Min
Zulassung:  ab 10 Jahre
Land: Österreich
Erscheinungsdatum: 2025

 

SPIELZEIT:

Dienstag,           27. Jänner           20.15 Uhr  (Saal 1)
Mittwoch,          28. Jänner          18.00 Uhr  (Saal 1)