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Kino Katsdorf

HAMNET

Der Film erzählt die Geschichte von Agnes (Jessie Buckley) und William Shakespeare (Paul Mescal), die den frühen Tod ihres elfjährigen Sohnes Hamnet verarbeiten müssen. Ein persönliches Drama, aus dem schließlich die Idee vom wohl größten Bühnenwerks des Dichters entstand: Hamlet.

Aus Sicht seiner empfindsamen Frau Agnes erlebt man, wie sie sich in den großen Barden verliebt und die beiden ein gemeinsames Leben planen. Als ihr einziger Sohn Hamnet im Alter von elf Jahren durch die Pest ums Leben kommt, droht ihre große Liebe zu ersticken. Mitten in dieser furchtbaren persönlichen Tragödie beginnt Shakespeare in tiefer Verzweiflung und Trauer, „Hamlet“ zu schreiben, eines der großen Dramen der Literaturgeschichte.

Mit HAMNET kehrt Oscar-Gewinnerin Chloé Zhao auf die große Leinwand zurück. In der Verfilmung des gefeierten Romans von Maggie O’Farrell, die gemeinsam mit Zhao auch das Drehbuch verfasste, wird die Geschichte von William Shakespeares Familie erzählt.

Oscars 2026: Nominierungen für Bester Film, Beste Regie, Beste Hauptdarstellerin (Jessie Buckley), Bestes adaptiertes Drehbuch, Bester Soundtrack, Bestes Casting, Bestes Produktions-Design, Bestes Kostüm Design
2 Golden Globes 2026: Bester Film – Drama, Beste Hauptdarstellerin – Drama (Jessie Buckley)
50. Toronto International Film Festival (TIFF 2025): People’s Choice Award – Bester Film

INHALT:

Chloé Zhaos Filmadaption von Maggie O’Farrell gibt Einblick in die Familientragödie Shakespeares – mit Paul Mescal und Oscar-Anwärterin Jessie Buckley

Shakespeare ist und bleibt der Stoff, aus dem Kinoträume sind. Sowohl in zahlreichen Adaptionen seiner Stücke als auch in Reimaginationen seines Lebens, über das nicht wahnsinnig viel bekannt ist. 1998 war der große Oscarerfolg Shakespeare in Love so eine Reimagination. Darin verliebt sich ein junger, stürmischer Will Shakespeare (Joseph Fiennes) in eine blonde Adelige (Gwyneth Paltrow), die einem anderen versprochen ist. Aus dieser unmöglichen Liebe sollte, laut dem Film, Romeo & Julia entstehen.

Dass Shakespeare selbst bereits verheiratet war, spielt in der Kinoromanze – wenn überhaupt – nur eine marginale Rolle. Ebenso wie in der Shakespeare-Forschung: Dort wurde, glaubt man der Autorin Maggie O’Farrell, Shakespeares Ehefrau Anne Hathaway, die er 1582 im Alter von 18 Jahren in der Diözese Worcester ehelichte, vorwiegend als ungeliebte Ehefrau diffamiert.

Schenkt man O’Farrell weiter Glauben, dann hieß die 8 Jahre ältere Ehefrau des später zum berühmtesten Dramatikers seiner Zeit aufsteigenden jungen Mannes Agnes, nicht Anne. Und sie war nichts weniger als seine große Liebe, die Will Shakespeare drei Kinder schenkte. Tochter Susanna und die Zwillinge Judith und Hamnet.

Hamnet heißt denn auch der lesenswerte Roman O’Farrells, der 2020 erschien und ein riesiger Erfolg bei Publikum und Kritik wurde. Es könne kein Zufall sein, so der Gedanke der Autorin, dass Shakespeare nach dem Verlust seines Sohnes Hamnet eine Tragödie namens Hamlet schrieb. Im Zentrum des Romans steht indessen die Kindsmutter Agnes. Deren Mutter wiederum sei aus dem Wald gekommen, heißt es im Dorf. Agnes hat einen Falken, heilende und seherische Kräfte und fühlt sich im satten Grün am wohlsten.

Mit diesem Bild setzt nun auch Chloé Zhaos Filmadaption von Hamnet ein. Aus der Vogelperspektive sieht man Jessie Buckley als Agnes im rostroten Kleid, eingerollt wie ein Fötus in Wurzelwerk auf dem Waldboden liegen. Ebendort soll Agnes später auch ihr erstes Kind Susanna zur Welt bringen, nur wenige Monate nachdem sie den Sohn des Handschuhmachers William – der als schlechte Partie für die Großgrundbesitzertochter angesehen wird – kennengelernt hat.

Bei der Geburt der Zwillinge ist William schon in London, und wegen des Regens kann Agnes nicht im Wald gebären. Das sind zwei schlechte Omen in einem an Vorhersehungen reichen Film. Denn Agnes weiß, an ihrem Sterbebett werden einst nur zwei Kinder stehen. Das erste Baby, Hamnet, ist ein strammer, rosiger Bub. Das Zweite, Judith, wirkt wie eine Totgeburt – doch es überlebt. Von der Sorge um Judiths fragile Konstitution wird sich Agnes jedoch nie freimachen können.

Als zehn Jahre später nicht Judith, sondern Hamnet von der Pest aus dem Leben gerissen wird, ist der Schock überwältigend. Sowohl für Agnes als auch für William, der – wieder einmal – abwesend war. Da beide in ihrer Trauer nicht füreinander da sein können, flieht William nach London und beginnt seine erfolgreichste Tragödie zu schreiben: Hamlet.

Chloé Zhao ist 2021 mit ihrem Oscarerfolg Nomadland als Realistin im Kino aufgeschlagen. Doch schon in dieser Geschichte über eine von Frances McDormand verkörperte Aussteigerin waren mystische Züge angelegt, die sich im Marvel-Film Eternals noch dichter übereinander schichteten. Auch Hamnet ist gezeichnet von Zhaos elegischer Handschrift, die mit ihren schwebenden, naturverliebten Kamerabildern an Terrence Malick erinnert.

Mitten in diesem, gemeinsam mit der Musik beizeiten forciert emotionalisierenden Drama, befindet sich Jessie Buckley als Inbegriff einer Naturfrau: Brüllend, gebärend, weinend, trauernd, liebend.

Buckley ist der Fels, um den das Familiendrama über den Tod und dessen Bewältigung brandet. Dafür hat die Irin bereits zwei wichtige Preise gewonnen, der Oscar ist ihr so gut wie sicher. Am besten ist sie aber in der Schlussszene des Films, als erst wütende, dann staunende Agnes, die sich die Erfolgs-Tragödie ihres Mannes ansieht und erkennt: Auch er trauert, nur verarbeitet er seine Gefühle über das Schreiben, nicht das Zusammenleben. (Valerie Dirk, 21.1.2026)

DETAILS:

Schauspieler: Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson, Joe Alwyn
Regie: Chloé Zhao
Genre: Drama
Dauer: 126 Min
Zulassung:  ab 12 Jahre
Land: Großbritannien, USA
Erscheinungsdatum: 2026

 

SPIELZEIT:

Freitag,          20. Februar              20.15 Uhr  (Saal 2)
Samstag,        21. Februar              18.15  Uhr  (Saal 2)
Montag,         23. Februar             20.00 Uhr  (Saal 2)