Einen Kuchen für den Präsidenten backen, während das Land hungert? Aus dieser einfachen Prämisse entwickelt Autor und Regisseur Hasan Hadi einen bewegenden und bittersüßen Abenteuerfilm, in dem kindliche Unschuld auf die harsche Wirklichkeit eines unterdrückten Landes trifft. Und in dem die Menschlichkeit immer wieder kleine, aber entscheidende Siege erringt.
Filme aus dem Irak sind eher selten. Nun kommt allerdings ein Film aus dem Irak in die Kinos, der die internationale Filmfestivalgemeinschaft in Cannes im vergangenen Jahr im Sturm erobert hat. „Ein Kuchen für den Präsidenten“, der erste Spielfilm von Hasan Hadi, gedreht mit Laiendarstellern, vor allem mit Kindern.
Es ist wie Lotto spielen, nur im negativen Sinne. Wer den Hauptpreis zieht, der kann in „Ein Kuchen für den Präsidenten“ nur verlieren.
„Ein Kuchen für den Präsidenten“ spielt im Irak der 1990er-Jahre, kurz vor dem Geburtstag von Saddam Hussein. Die Bevölkerung hungert und trotzdem soll die neunjährige Lamia einen Kuchen backen. Mit Zutaten, die kaum zu bekommen sind. Ihre Großmutter, bei der sie aufwächst, hat sie gewarnt.
Die beiden machen sich auf den Weg in die Stadt. Schon die Fahrt dorthin – mit fremden Männern als Mitfahrgelegenheit – ist mühsam und riskant. Doch Lamia bleibt zuversichtlich.
Lamia: Ich brauche fünf Eier, ein Kilo Mehl und ein Pfund Zucker. Verkäufer: Hast du hier vielleicht irgendwo Zucker gesehen? Ich verkaufe nur Eier. Aber keinen Zucker.
Lamia: Die nehm ich.
Verkäufer: Fünf kosten 2.500. Lamia: So viel hab ich aber nicht.
Regisseur Hasan Hadi verarbeitet in seinem eindrucksvollen Debüt eigene Kindheitserinnerungen aus dem Irak. „Ich wurde selbst einmal für den Geburtstag des Präsidenten ausgewählt. Nicht für den Kuchen, sondern, um Blumen mitzubringen. Das war einfach, weil die Lehrer sich nicht wirklich darum kümmerten. Ich hatte Glück.“ Ein Freund von ihm wurde für den Kuchen ausgewählt. Er habe es nicht geschafft ihn zu backen, deshalb wurde er von der Schule verwiesen, sagt Hasan Hadi. „Das hat sein ganzes weiteres Leben beeinflusst. Er schloss sich später Saddam Husseins Kinderarmee an. Die Vorstellung, dass etwas so Zufälliges wie das Backen eines Geburtstagskuchens über dein Schicksal entscheidet, verfolgt mich bis heute.“
Lamia: Wohin willst du jetzt schon wieder? Saeed: Meinen Vater suchen. Lamia: Deinen Vater, den Krüppel? Saeed: Meiner lebt wenigstens noch. Lamia: Lass mich ruhig hier stehen. Saeed: Obst hast du ja schon gestohlen. Kann dir nichts passieren.
Gedreht wurde im Irak mit Laiendarstellern, die zum ersten Mal vor der Kamera standen. Vor allem die junge Hauptdarstellerin, Baneen Ahmed Nayyef, beeindruckt mit ihrem intensiven, zurückhaltenden Spiel. Ihre Blicke gehen unter die Haut. Regisseur Hadi gelingt ein besonderer Kunstgriff: Mit einer einfachen Idee – einem Kuchen für den Präsidenten – erzählt er eine Geschichte über Angst, Hoffnung, Leben und Tod. „Wenn Sie das nächste Mal von Bombenangriffen und Kriegen hören, denken Sie bitte daran, dass dahinter Menschen stehen, Kinder mit Namen, Träumen, Liebesgeschichten und Ambitionen. Menschen sind keine Zahlen. Jeder von ihnen ist ein Individuum.“
„Ein Kuchen für den Präsidenten“ ist ein berührender, warmherziger Film, mit klugen Dialogen und großartigen Kinderdarstellern. Und mit einem letzten Blick der Lamia-Schauspielerin Baneen Ahmed Nayyef, den man so schnell nicht vergisst.
Schauspieler: Baneen Ahmad Nayyef, Sajad Mohamad Qasem, Waheed Thabet Khreibat und anderen
Regie: Hasan Hadi
Genre: Drama
Dauer: 102 Min
Zulassung: ab 12 Jahre
Land: Irak
Erscheinungsdatum: 2026
Freitag, 27. Februar 18.15 Uhr (Saal 2)
Mittwoch, 04. März 20.00 Uhr (Saal 1)