Die zweifache Oscar®-Preisträgerin Jodie Foster ist zurück auf der großen Leinwand! In PARIS MURDER MYSTERY zieht sie alle Register ihres komödiantischen Könnens. Dabei wird sie mit sichtlich viel Freude begleitet von einem hochkarätigen französischen Ensemble aus Daniel Auteuil, Virginie Efira und Mathieu Amalric.
Das Therapieren ist ein gefährliches Geschäft – Lilian Steiner muss das erleben in diesem Film, eine Amerikanerin, praktizierend in Paris. Rebecca Zlotowski hat, gemeinsam mit Anne Berest, (Schriftstellerin und Schauspielern, unter anderem in Zlotowskis vorigem Film „Les enfants des autres“) diese Rolle Jodie Foster auf den Leib geschrieben. Lilian nimmt alle Sitzungen mit ihren Patienten auf, und zwar auf – „prähistorischen“, sagt ihr Sohn – Minidiscs, das ergibt eine erschreckende, komprimierte Menge an Misere, Sehnsüchten, an unterdrückten Geheimnissen und verdrucksten Bekenntnissen.
Es ist ein gefährlicher Job, Psychiater arbeiten mit Missverständnissen, Fehlleistungen, Kurzschlüssen. Mit einer Vergangenheit, die weggespeichert wird. Oder gar erfunden von den Patienten, für ihre Therapeuten. Irgendwann wollen sie ihre Geheimnisse zurück. Einer verklagt Lilian nach neun Jahren Analyse, einmal die Woche, in denen sie es nicht schaffte, ihm das Rauchen abzugewöhnen, er will sein Geld zurück, inklusive das für die Zigaretten, die er in dieser Zeit konsumierte. Besonders peinlich ist, dass die Konkurrenz mit Hypnose sofort einen Heilerfolg bei ihm hinkriegt.
Der deutsche Verleihtitel legt eine Spur zu Woody Allens Krimikomödie „Manhattan Murder Mystery“, der Zlotowski inspirierte, wie auch ein anderer Woody Allen, „Another Woman“. Lilian hat eben eine Patientin verloren, Paula Cohen-Solal (Virginie Efira). „Sie sind jetzt zu drei angesetzten Sitzungen nicht erschienen“, moniert Lilian per Telefon, „das ist schon ein Grund, sich Sorgen zu machen …“ Außerdem: Stunden, die man nicht wahrnimmt, müssen trotzdem bezahlt werden.
War es ein Suizid? Ein Mord? „Vie privée“, so der Originaltitel, fetzt von einer Spekulation zur anderen, selbst der Variety-Kritiker kommt um Jacques Lacan, den Pariser Großmeister der Psychoanalyse, nicht herum und bringt in seiner Kritik den Begriff countertransference an, Gegenübertragung – der uns darauf hinweist, dass es bei einer Therapie im Kopf des Analytikers ebenso lebhaft zugehen kann wie in dem des Patienten. Lilian will den Tod der Patientin klären, dieses Wirrwarr von Ungewissheit und Spekulation, so viele Fragen, dass man von Anfang an weiß, man wird nicht auf alle eine Antwort kriegen. Am Ende bleiben sinnlose Wörter und Objekte übrig, zum Beispiel ein Glätteisen, von dem man nicht erfährt, welche Bedeutung es haben könnte. Therapie als Detektivspiel: Lacan hat sein Modell der Psychoanalyse entwickelt aus der Detektivgeschichte par excellence, „Der entwendete Brief“ von Edgar Allan Poe.
Eines Nachts ist Lilians Wagen mit roter Flüssigkeit beschmiert. Es gibt einen Einbruch, ihr Sprechzimmer mit den Disc-Boxen ist verwüstet. Seitdem sie sich mit Paulas Tod befasst, wollen ihre Augen nicht aufhören zu tränen. Also geht auch sie zu der Frau, die die Erickson-Hypnose praktiziert, in Ménilmontant, dem Künstlerviertel. Unter Hypnose hat sie eine Vision, eine Projektion. Sie muss eine rote Treppe hinuntersteigen, auf die Bühne eines Konzertsaals, zwei Frauen nebeneinander, ihre Celli zwischen den Beinen, Lilian und Paula, ein Liebespaar. Auf den Notenständern die Partitur der Kindertotenlieder von Mahler. Der Dirigent ist Paulas Mann, Mathieu Amalric, er hat eine Pistole im Frack. Es ist das Jahr 1942, Paris unter deutscher Besatzung.
Freud, erzählt die Hypnotiseurin, gab die Hypnose auf, weil sie finanziell nicht interessant war – und die Probleme der Menschen zu schnell löste. Ob das nicht ein bisschen antisemitisch sei, fragt Lilian spitz. Bei der Trauerfeier für die tote Paula sind die Spiegel verhängt und dürfen nicht enthüllt werden, damit die Dibbuks, die bösen Geister fernbleiben. Der Film ist natürlich auch ein veritabler Phantomfilm. Immer wieder geht es um Kinder, die nicht bleiben wollen, nicht angenommen, geliebt werden. Die Amerikanerin Lilian bekommt dadurch eine Ahnung, was der Holocaust in Europa auslöste.
Lilian sucht weitere Hilfe von ihrem Ex, der ausgerechnet Augenarzt ist, gespielt von Daniel Auteuil. Sie sind ein fröhliches Paar, ermitteln gemeinsam. Einmal guckt Lilian in fremden Aschetonnen nach Beweisstücken. Als ihr Mann sie darauf anspricht: „Das ist doch unser Beruf, den Müll der anderen durchsuchen.“
(aus „Süddeutsche Zeitung“)
Schauspieler: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira, Mathieu Amalric, Vincent Lacoste, Luàna Bajrami, Noam Morgensztern, Sophie Guillemin, Frederick Wiseman, Aurore Clément, Irène Jacob, Ji-Min Park, Jean Chevalier
Regie: Rebecca Zlotowski
Genre: Ein pointierter Mix aus Spannung, Humor und Romantik.
Dauer: 103 Min
Zulassung: ab 12 Jahre
Land: Frankreich
Erscheinungsdatum: 2026
Freitag, 15. Mai 18.00 Uhr (Saal 1)
Samstag, 16. Mai 18.15 Uhr (Saal 2)
Montag 18. Mai 20.00 Uhr (Saal 2)