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Kino Katsdorf

ATMOSPHERE

Die Atmosphäre, die unseren Planeten schützend umhüllt, ist die Grundlage unseres Lebens. Erwin Wagenhofers neuer Kinodokumentarfilm bringt uns Menschen nahe, die Altes hinter sich gelassen und Neues gewagt haben: von einer Künstlerin, die Landwirtin wurde und auf ausgelaugten Äckern eine blühende Landschaft entstehen ließ, über ein Team von Lehmbauexpert:innen, die den traditionellen Werkstoff zu einem Baustoff der Zukunft machen, bis hin zu einem visionären Schweizer Forscher und Agronomen, der mit seinem neu aufgeforsteten Regenwald in Brasilien nicht nur ein Stück totes Land, sondern eine ganze Region zu neuem Leben erweckt hat.

INHALT:

Viele Bäume, schöne Landschaftsaufnahmen, ruhige Erzählstimmen und tiefgründige Weisheiten – nach Dokumentarfilmen wie We Feed the World (2005), Alphabet (2013) und But Beautiful (2019) präsentiert Erwin Wagenhofer nun Atmosphere. Ein Film, der alles hat, was man für eine Naturdoku braucht. „Studiert man die anderen Planeten, die anderen Sonnensysteme, bemerken wir, dass es nur wenige gibt, die so sind wie wir“. Mit der Botschaft „Es gibt keinen Planeten B“ erfindet der österreichische Regisseur zwar nicht das Genre der Klimaschutzdokus neu, doch sticht der Film insbesondere in einem Aspekt heraus: seinen spannenden Protagonisten und Protagonistinnen, die Neues gewagt haben und damit innovative Lösungswege für unsere Umweltprobleme finden. Damit geht der Film weit über eine reine Ursachenanalyse hinaus. Es wird nicht nur philosophiert, sondern vor allem gehandelt.

Die Künstlerin und Landwirtin Maria Gimenez aus Berlin-Brandenburg erzählt, wie sie durch regenerative Methoden, beispielsweise der innovativen Weidestrategie „Mob Grazing“, aus ausgelaugten Äckern eine blühende Landschaft erschuf. Und warum aus ihrer Sicht die konventionelle Landwirtschaft noch nicht auf diese Möglichkeiten zurückgreifen würde: „Wenn wir in die Natur schauen, dann steht der Mensch über der Natur und das ist, glaube ich, unser Hauptproblem“. Im Anschluss stellt Wagenhofer die gemeinsame Arbeit der deutschen Architektin Anna Heringer und des Lehmbau-Experten Martin Rauch vor, die den traditionellen Werkstoff neu denken. Sie machen ihn nicht nur zu einem architektonischen Stilmittel, sondern auch zu einem Baustoff der Zukunft: „Diese Erfahrung hat mir eine Welt eröffnet. Eigentlich hat das naheliegendste Material im Wesentlichen so viele Eigenschaften, die wir verkennen“, sagt Rauch.

Einen großen Teil der Spielzeit nimmt derweil die spannende Geschichte von Ernst Götsch ein. Der in Südamerika arbeitende Schweizer Forscher und Agronom begann bereits im Studium, die Mechanismen der konventionellen Landwirtschaft zu hinterfragen: „Könnte es vielleicht intelligenter sein, wenn wir anstatt die Pflanzen den immer schlechter werdenden Bedingungen anzupassen, stattdessen die Bedingungen untersuchen, um diese zu verbessern?“ Zwischen Blättern und Stämmen erweckte er mit seinem neu aufgeforsteten Regenwald so nicht nur ein Stück totes Land, sondern eine ganze Region zu neuem Leben. Durch die dichte Bepflanzung können sich seine Bäume hier in der Nährstoffaufnahme gegenseitig unterstützen. So kann auf den Einsatz von Düngern oder Pestiziden verzichtet werden.

Gemeinsam mit den Bildern der üppigen grünen Felder und Waldlandschaften schaffen diese neuen Perspektiven Hoffnung, dass wir der Verwüstung der Erde entgegenwirken könnten. Damit macht der Film einen wichtigen ersten Schritt, indem er klare Möglichkeiten zum Wandel vorstellt. In seiner Kernaussage sagt Atmosphere damit: Wir müssen nur aufhören, in die falsche Richtung zu laufen. Die Frage ist aber, wie bewegt man im zweiten Schritt einen Wandel in der breiten Masse, der Struktur, der Politik? Damit sich diese den neuen Möglichkeiten annehmen und die Arbeit von Menschen wie Götsch, Heringer, Rauch und Gimenez keine Utopie bleibt. Vielleicht findet Wagenhofer darauf in seinem nächsten Film eine Antwort.

(Luise Aymar in „DER STANDARD)

 

DETAILS:

Schauspieler:
Regie: Erwin Wagenhofer
Genre: Dokumentation
Dauer: 100 Min
Zulassung: ab 10 Jahre
Land: Österreich
Erscheinungsdatum: 2026

 

SPIELZEIT:

Freitag,           23.  Oktober           20.00 Uhr (Saal 1)
Samstag,         24.  Oktober          18.00 Uhr  (Saal 1)
Montag,          26.  Oktober          18.00 Uhr  (Saal 1)