Der Film erzählt das Schicksal des katholischen Priesters Korbinian Aigner. Mutig stellte er sich gegen die Nazis und wurde im Konzentrationslager Dachau inhaftiert, wo Harri Stojkas Großvater Karl Horvath als Häftling zu Tode geschunden wurde. Unter Lebensgefahr züchtete er in der berüchtigten, als „Kräutergarten“ bezeichneten Dachauer Plantage neue Apfelsorten.
Im Film kommt auch der legendäre Gitarrist Harri Stojka zu Wort. Er berichtet mit seinen Schwestern über die ehemals große Roma-Familie, über ihren im KZ Dachau zu Tode geschundenen Großvater und über ihren Vater Johann „Mongo“ Stojk
Dass die Menschheit aus den Fehlern der Vergangenheit lernt, damit diese sich nicht wiederholen – das ist eine ganz dringende Hoffnung, die leider momentan durch aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen auf internationaler Ebene doch stark getrübt ist. Umso wichtiger ist es deshalb, an zurückliegende Verbrechen und Versäumnisse zu erinnern – und nicht zuletzt an die Personen, die sich oft unter großer Lebensgefahr gegen das Unrecht zur Wehr setzten.
In seinem Werk Ein stummer Hund will ich nicht sein befasst sich der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Walter Steffen mit einer solchen Person: dem bayerischen katholischen Pfarrer Korbinian Aigner (1885-1966), einem entschiedenen Widersacher des Nationalsozialismus, der seine Abneigung gegen Adolf Hitler und gegen dessen Ideologie stets klar formulierte und dies etwa auch im Jahr 1939 gegenüber seiner Schulklasse im Religionsunterricht tat, als er über das knapp gescheiterte Hitler-Attentat von Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller sprach.
Um Aigners Geschichte zu schildern, setzt der Filmemacher diverse audiovisuelle Mittel ein. So arbeitet er zum Beispiel an einigen Stellen mit Animationen im Graphic-Novel-Look (geschaffen von dem Illustrationskünstler Frank Cmuchal), die in ihrer bemerkenswerten Ausdrucksstärke an den Stil von Ari Folmans Waltz with Bashir (2008) denken lassen. Darüber hinaus nutzt Steffen historische Aufnahmen und Zeichnungen; er lässt eine Sprecherin via Voiceover Informationen zur damaligen Situation liefern und fängt mit der Kamera Leute ein, die sich über die einstigen Geschehnisse äußern – darunter ein paar Zeitzeugen sowie deutsche und israelische Lehrer:innen und Schüler:innen, die im Rahmen eines Austauschprogramms „zusammen lernen und Zeit verbringen“, wie es eine Jugendliche auf den Punkt bringt. Als Interviewpartner und „Spurensucher“ dient Dr. Gerd Holzheimer, der das Filmprojekt initiierte.
Ein weiteres Element von Ein stummer Hund will ich nicht sein sind Spielszenen, in denen der vor allem durch Episodenparts in diversen TV-Serien bekannte Karl Knaup in die Rolle des Pfarrers schlüpft. In dunkel ausgeleuchteten Passagen verfolgen wir (auf Basis der Original-Verhör- und Gerichtsakten) die Verhandlung gegen Aigner am Sondergericht in München im Jahr 1939, bei der Aigner wegen seiner Aussagen zum versuchten Hitler-Attentat zu einer kurzen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Anschließend wurde er zuerst ins Konzentrationslager Dachau deportiert, später dann ins Konzentrationslager Sachsenhausen.
Aigner kann durch Knaups Verkörperung auch zu einem Talking Head werden, der seinen Werdegang selbst kommentiert. Im KZ Dachau musste er im sogenannten Arbeitskommando „Kräutergarten“ Zwangsarbeit leisten. Unbemerkt von der SS züchtete er zwischen den KZ-Baracken neue Apfelsorten, von denen eine noch heute unter dem Begriff „Korbiniansapfel“ gepflanzt wird. Aigner selbst ist als „Apfelpfarrer“ in die Geschichte eingegangen. Er überlebte die KZ-Gräuel – und sollte neben allen Opfern und Überlebenden des Holocaust (auch) durch die unbeirrte Haltung, die er trotz der Gefahren bewiesen hat, in Erinnerung bleiben. Dieser kreativ gestaltete und engagiert erzählte Film trägt dazu bei, dass er nicht in Vergessenheit gerät.
Schauspieler: Karl Knaup, Gerd Holzheimer, Helmut Hörger
Regie: Walter Steffen
Genre: Dokumentation
Dauer: 112 Min
Zulassung: ab 12 Jahre
Land: Deutschland
Erscheinungsdatum: 2025
Mittwoch, 4. Februar 18.00 Uhr (Saal 2)