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Kino Katsdorf

FATHER, MOTHER, BROTHER, SISTER

INHALT: Die drei L’s der Familie, nach Jim Jarmusch: Liebe, Leiden, Lügen. Hier in umgekehrter Reihenfolge präsentiert, versteht sich. „Father Mother Sister Brother“ ist ein zutiefst Jarmusch-artiger Film, ein stilles, episodisches Triptychon über Väter, Mütter, Geschwister und all die unbeholfenen Rituale, die uns lächerlich machen und doch menschlich halten. Mit seiner Mischung aus trockener Komik, […]

INHALT:

Die drei L’s der Familie, nach Jim Jarmusch: Liebe, Leiden, Lügen. Hier in umgekehrter Reihenfolge präsentiert, versteht sich. „Father Mother Sister Brother“ ist ein zutiefst Jarmusch-artiger Film, ein stilles, episodisches Triptychon über Väter, Mütter, Geschwister und all die unbeholfenen Rituale, die uns lächerlich machen und doch menschlich halten. Mit seiner Mischung aus trockener Komik, lähmender Peinlichkeit und schleichender Melancholie wirkt er zugleich exzentrisch und berührend.

Der Film besteht aus drei Kapiteln, die jeweils in Nordamerika, Dublin und Paris angesiedelt sind: In „Father“ sehen wir Adam Driver als Sohn, der so sehr in seine eigene Unsicherheit eingesunken ist, dass er beinahe verschwindet. Gegenüber steht Tom Waits als sein entfremdeter Vater, ein Mann, der mit endlosen Pausen auf einfache Fragen reagiert, als wolle er das Gespräch zum Stillstand zwingen. Nichts wird ausgesprochen, und doch schwingt in den Wiederholungen, den abgebrochenen Halbsätzen, ein leiser Ton der Versöhnung. „Mother“ hingegen ist der funkelnde Höhepunkt: Cate BlanchettCharlotte Rampling und Vicky Krieps sitzen in einer Dubliner Küche und liefern ein Duell in Zurückhaltung, ein Kammerstück der passiv-aggressiven Spitzen. Jeder Blick, jedes nicht gesagte Wort, jedes Seufzen wirkt wie eine Ohrfeige. Es ist einer dieser seltenen Momente, in denen Schauspielkunst fast ohne Sprache auskommt und dennoch überwältigend wirkt. Im dritten Teil, „Sister Brother“, treffen wir auf Indya Moore und Luka Sabbat. Das Pariser Kapitel ist das längste und melancholischste, getragen von einer trägen, fast schwebenden Rhythmik. Es fordert Geduld, ja, es zieht sich bewusst in die Länge, aber gerade dadurch entfaltet es am Ende seine zarte, unerwartete Wirkung. Während die ersten Episoden in einem Patt enden, erlaubt sich diese hier einen kleinen, aber spürbaren Ausbruch an Emotion.

Visuell bleibt Jarmusch bei seiner Handschrift: reduziert, fast asketisch, doch niemals leer. Er zeigt drei Kaffeetassen auf einem Tisch, die nie zu einer Familie werden; ein Teeservice, das eher wie ein Gefängnis wirkt als wie ein Symbol der Geborgenheit. Er verweilt auf dem See vor dem Fenster, auf dem Skateboard, das durchs Bild rollt, auf Räumen, Korridoren, Übergängen. In diesen scheinbar nebensächlichen Details liegt der ganze Kosmos seiner Figuren: Es ist spürbar in den ruhigen Zwischenshots, aber der Humor, die Musik, die lakonische Coolness sind unverkennbar Jarmusch.

Und natürlich der Soundtrack: zwischen Punk-Minimalismus und Jazz-Schleifen, immer so eingesetzt, als wäre er schon da gewesen, bevor das Bild ihn einholt. Musik wird bei Jarmusch nie bloß Hintergrund, sondern ein zweites Dialogsystem, das oft lauter spricht als die Figuren.

Das Ensemble ist durchweg grandios. Blanchett, Rampling und Krieps spielen auf einem Niveau, das an ein Streichtrio erinnert: Jede Note zählt, jede Pause wiegt schwer. Driver beherrscht die Kunst der komischen Ratlosigkeit, während Waits die Stille selbst zur Pointe macht. Moores und Sabbats Geschwister im dritten Teil wirken wie zwei Planeten, die sich voneinander abstoßen und doch immer wieder in dieselbe Umlaufbahn geraten: verkrümmt, verletzt, aber unauflöslich verbunden. Sicher wird Father Mother Sister Brother spalten. Für manche wird er zu klein, zu langsam, zu ereignislos wirken. Für andere ist er ein spätes, leises Meisterstück, das die Banalität des Alltags zum Leuchten bringt.

Am Ende ist es Jarmusch in Reinform: keine Sentimentalität, keine falsche Dramatik, stattdessen die stille Rebellion der Pause, das Gedicht in den Zwischenräumen, die Erkenntnis, dass Familie ebenso Gefängnis wie Rettung sein kann. Wer ihn als „klein“ abtut, hat nicht verstanden, dass gerade die kleinsten Filme manchmal die größten Risse hinterlassen.

(aus „Kino Zeit“)

 

DETAILS:

Schauspieler: Tom Waits, Adam Driver, Mayim Bialik, Charlotte Rampling, Cate Blanchett, Vicky Krieps
Regie: Jim Jarmusch
Genre: Drama und Komödie
Dauer: 111 Min
Zulassung:  ab 12 Jahre
Land: Irland, USA
Erscheinungsdatum: 2026

 

SPIELZEIT:

Samstag,           21. März             18.15 Uhr  (Saal 2)
Montag,            23. März            18.00 Uhr  (Saal 2)
Mittwoch,         25. März           20.00 Uhr  (Saal 1)