Preloader
Kino Katsdorf

SONG SUNG BLUE

Als Mike Sardina (Oscar®-Nominierter Hugh Jackman, Les Misérables) die Sängerin Claire Stengl (Oscar®-Nominierte Kate Hudson, Almost Famous – Fast berühmt) zum ersten Mal auf der Bühne sieht, ist es sofort um ihn geschehen. Mike, ein Vietnam-Veteran und ehemaliger Alkoholiker, jobbt als Mechaniker – doch sein Herz schlägt für die Musik, die er abends auf kleinen Bühnen spielt. In Claire erkennt er dieselbe Begeisterung. Schnell entsteht zwischen den beiden eine tiefe Verbundenheit. Sie gründen die Neil-Diamond-Tribute-Band „Lightning & Thunder“ – es ist der Beginn einer unvergesslichen Liebesgeschichte, die weit über die gemeinsame Leidenschaft zur Musik hinausgeht.

Mit SONG SUNG BLUE präsentiert Regisseur und Drehbuchautor Craig Brewer (Hustle & Flow) ein mitreißendes Epos über die innige und kreative Verbindung zweier Musiker, die zeigen, dass es keine Rolle spielt, wann im Leben man sich findet – Hauptsache, Herz und Musik schlagen im gleichen Takt. Inspiriert von wahren Begebenheiten erzählt der Film die Geschichte von Claire und Mike Sardina, die es als Band „Lightning & Thunder“ von einer kleinen Garage bis in die Clubs von Milwaukee schaffen. Das Paar gelangt zu unerwartetem Erfolg, der allein auf der engen Verbundenheit zueinander beruht. Selbst als ein Schicksalsschlag alles verändert, besinnen sich die beiden auf ihre Liebe – zur Musik und zueinander.

INHALT:

In Craig Brewers Film mimt Hugh Jackman den Wiedergänger von Songwriter Neil Diamond. Er tut sich mit Kate Hudson zusammen. Großartig

Es gibt eine Unmenge Menschen, die jedem Pathos abhold sind. Ihnen setzt die Angst zu, als verletzlich zu erscheinen. Sie glauben dann, sie würden von Böswilligen als Schwächlinge identifiziert. Und steckt nicht hinter der Fassade von so manchem US-Mitbürger ein potenzieller Regierungsbeamter, ein auf die Ziele von MAGA eingeschworener, rotnackiger Feind? Den fahrenden Karaoke-Sänger Mike Sardina (Hugh Jackman) treiben ernste Sorgen um. Als Tingeltangel-Künstler, der auf nicht besonders glamourösen Jahrmärkten in Milwaukee (Wisconsin) auftritt, vereinigt er in sich die Identitäten unzähliger Rock’n’Roll-Stars. Mike grinst notorisch freundlich, und man ist sich nicht sicher, ob er das lediglich aus Berechnung tut.

Früher einmal gab Mike Gigs, indem er den einsamen „Honky“ unter lauter Schwarzen mimte. Ein solider Stimmenimitator, der auf dem Jahrestreffen der Anonymen Alkoholiker so einnehmend zu lächeln versteht, als würde er gleich mit dem Hut Bucks einsammeln gehen. Oh Wunder: Mike ist seit 20 Jahren trocken. Die wundermilde US-Tragikomödie Song Sung Blue erzählt im Kern die Geschichte einer Selbstermächtigung. Mikes Erwerbsleben ist, wie das so vieler seiner Kollegen, kommerziell am Ende. Jetzt soll es ausgerechnet die Songwriter-Kunst Neil Diamonds richten: die pompöseste Versuchung, seit es Koteletten, Glockenhosen und die Erfindung des Samtbaritons gab.

In Craig Brewers federleichtem Film resultiert ein Zufall aus dem nächsten. In einer Welt, die aus niemand Geringerem zu bestehen scheint als aus lauter Buddy-Holly- und James-Brown-Imitatoren, lernt Mike die Friseurin Claire (Kate Hudson) kennen, eine Patsy-Cline-Interpretin. Besäße sie größere Brüste, zwinkert Claire, wäre sie wohl eher ins Dolly-Parton-Fach abgezweigt.

Die Sympathie der beiden ist heftig, und sie beruht auf Gegenseitigkeit. Es bedarf einiger Recherchen von Mikes Seite, um draufzukommen: Neil Diamonds Drei-Minuten-Opern bilden das ideale Medium, um Zuversicht auszustrahlen, und um mit dem Versprechen von emotionaler Geborgenheit Geld zu verdienen. Unter dem Titel „Lightning & Thunder“ stellen die beiden eine Diamond-Tribute-Band zusammen, und selbst abgekochten Tourmanagern treibt die Aussicht auf Holly HolySoolaimon und – vor allem – Sweet Caroline Tränen der Rührung in die Augen. Kein Gran Zynismus kann das Wohlgefallen, das man an dem Film Song Sung Blue findet, trüben.

Man benötigt einige Zeit, bis man draufkommt: Der Film spielt eigentlich in den 1990er-Jahren. Die Windmaschine bläst Mikes etwas zu üppiges Haupthaar zurück, und in Milwaukee bestreiten „Lightning & Thunder“, längst zur Attraktion gereift, einen Supportgig für die Grunge-Giganten von Pearl Jam. Eddie Vedder wird von John Beckwith gemimt. Der Rocker trägt allen Ernstes ein Bandshirt von The Cramps. Gemeinsam stimmen die Goldkehlen Diamonds Forever in Blue Jeans an. Etwas von der allversöhnenden Kraft dieser immens verfeinerten Schlagermusik steckt, so die Botschaft, in allen Kostproben der Kulturindustrie.

Man darf daher getrost an die zweite Präsidentschaft Donald Trumps denken, an die Aussaat von Zwietracht, um den Seventies-bunten Kitsch von Song Sung Blue als ernsthaften Debattenbeitrag zu verstehen, als Aufforderung zur Versöhnung. In Neil we trust! Und so sieht man Amerikaner aller Ethnien und sozialen Klassen in Harmonie vereint. Alle jauchzen. Zur Tribute-Band gesellt sich der Gospelchor. Natürlich währt die Liebe von Mike und Claire nicht ewig. Hinter der Fassade des ewig lächelnden Neil-Diamond-Doubles lauern die Gespenster von Zahlungsunfähigkeit und Herzinfarkt.

Song Sung Blue beruht auf wahren Begebenheiten. Aber auch die Musik Neil Diamonds ist schließlich tief empfunden. So wie dieser kleine, großartige Film.

Ronald Pohl  in  „DER STANDARD“

 

DETAILS:

Schauspieler: Hugh Jackman, Kate Hudson, Michael Imperioli, Fisher Stevens, Jim Belushi, Ella Anderson
Regie: Craig Brewer
Genre: Drama, Musik, Biografie
Dauer: 130 Min
Zulassung:  ab 10 Jahre
Land: USA
Erscheinungsdatum: 2025

 

SPIELZEIT:

Sonntag,        1. März         18.00 Uhr  (Saal 1)