Werbetexterin Emmi soll die Produkte einer Speiseölfirma vermarkten und erfindet dabei gegen den Widerstand ihrer Agentur die Kunstfigur Betty Bossi. Als „Köchin und Hausfrau der Nation” wird sie bald populär und erhält jede Menge Fanpost. Die bis dahin eher zurückhaltende Emmi gerät unverhofft ins Rampenlicht. Das neue Leben als Schweizer Koch Ikone ist aufregend, aber auch kräftezehrend. Emmi kämpft in der Agentur gegen Neid und Missgunst ihrer männlichen Kollegen und versucht zu Hause weiterhin eine liebevolle Mutter und Ehefrau zu sein – ganz nach dem Vorbild ihrer Kunstfigur.
Alle in der Schweiz kennen sie – doch existiert hat sie nie. Betty Bossi, die fiktive Hausfrau, ist seit den 1950er-Jahren eine Ikone der Schweizer Alltagskultur. Nun bekommt sie ihre eigene Geschichte auf der Kinoleinwand.
Der Film liefert die Geschichte zu einem derart bekannten Namen, dass man sich fragt: Warum kam niemand früher auf die Idee, sie zu erzählen? Zudem ziehen Drehbuchautor André Küttel und Regisseur Pierre Monnard (beide erfolgreich mit «Platzspitzbaby») die Sache als Feelgood-Stoff auf.
Dabei ist «Hallo Betty» nicht die Schweizer Version von «Barbie» (2023). Es geht dem Film weniger um die erfundene Figur Betty Bossi als um die wahre Geschichte ihrer Erfinderin: der Zürcherin Emmi Creola-Maag (1912-2006).
Es ist Sarah Spale (auch «Platzspitzbaby»), die die Hauptrolle der Emmi übernimmt. Wir sehen sie als liebevolle Ehefrau und Mutter von drei herzigen Kindern.
Gleichzeitig arbeitet sie als Texterin einer Zürcher Werbeagentur und entwickelt dort 1956 die Idee einer fiktiven Köchin namens Betty Bossi, mit der sich die Speise-Öle eines Agenturkunden bewerben lassen. Bald erscheinen Betty-Bossi-Rezepte als Zeitung. Mit Emmi als Chefredaktorin.
Weil sie deswegen zuhause oft fehlt, nimmt sie ihren Ehemann (Martin Vischer) in die Haushaltspflicht. Und weil es die miefigen Fünfziger sind, muss die Heldin auch im sexistischen Gegenwind der Agentur bestehen. Dieser weht vor allem in der Figur eines aaligen Jung-Werbers (Cyril Metzger).
Aber Emmi bleibt beharrlich, sodass die meisten der murrenden Männer irgendwann zur Einsicht gelangen, dass auch Frauen schlau sein und Männer kochen können. «Hallo Betty» erzählt damit vor allem eine Emanzipationsgeschichte.
Manche werden sich an «Die göttliche Ordnung» (2017) erinnert fühlen, Petra Volpes Film zur Einführung des Frauenstimmrechts in der Schweiz. Allerdings bleibt «Hallo Betty» im individuellen Schicksal von Emmis letztlich glücklicher Familie verhaftet, und es schwingt Versöhnung mit. Letztlich werden Feministinnen wie auch ein traditionelles Kinopublikum Gefallen an der Verfilmung finden können.
An der Premiere in Zürich war auch Ines Diacon zu Gast, eine der Töchter der richtigen Emmi Creola. Sie sagte, es sei rührend, die eigene Geschichte auf der Leinwand zu sehen. Auch wenn sich nicht alles genau so zugetragen habe, wie es der Film erzähle. Sie habe dem Filmteam aber freie Hand gelassen mit dramaturgischen Einfällen und Ergänzungen.
Von diesen überzeugen nicht alle gleich, und das Tempo könnte teilweise schneller sein. Doch die wie üblich vorzügliche Sarah Spale und insbesondere Ueli Jäggi, der ihren gravitätischen Chef spielt, tragen den Film auch durch weniger pointierte Passagen.
(aus „Schweizer Tagblatt“)
Schauspieler: Sarah Spale, Martin Vischer, Vera Flück
Regie: Pierre Monnard
Genre: Dramödie
Dauer: 108 Min
Zulassung: ab 10 Jahre
Land: Schweiz
Erscheinungsdatum: 2026
Freitag, 3. Juli 20.15 Uhr (Saal 2)
Samstag, 4. Juli 21.30 Uhr (Open Air)
Montag, 6. Juli 20.15 Uhr (Saal 1)