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Kino Katsdorf

DAS DRAMA – Noch einmal auf Anfang

Emma Harwood (Zendaya) und Charlie Thompson (Robert Pattinson) sind zwei, die sich gefunden haben. Er kommt aus London und verdient sein Geld als Museumsdirektor. Sie ist Buchhändlerin aus dem US-amerikanischen Süden. Die beiden sind nicht nur ineinander verliebt, sondern mittlerweile auch glücklich verlobt. Bis zur großen Hochzeit sind es nur noch eine Handvoll von Tagen. Doch plötzlich gerät ein sprichwörtlicher Stock zwischen die Planungsspeichen und die ganze Feier droht zu platzen. Denn Emma und Charlie müssen sich auf einmal Wahrheiten stellen, die sie auch ihre gesamte Beziehung noch mal unter anderem Licht betrachten lassen…

INHALT:

Der Norweger Kristoffer Borgli inszeniert mit den zwei Hollywoodstars eine satirische Variation auf die Romantic Comedy – mit viel schwarzem Humor und A24-Touch

Man möchte noch von keiner Renaissance der RomCom, der romantischen Komödie der Neunziger und frühen 2000er sprechen, und doch häufen sich die Hinweise darauf. Das ist erfreulich, denn das Segment der mittelgroßen, mittelteuren Filme, das ein solides Publikum ins Kino lockt, war in der letzten Dekade fest in der Hand des Horrorgenres. Prequels, Sequels und erfolgreiche Neuinterpretationen alter Tropen (Puppen z. B. in M3gan) regneten lange Zeit vom trüben Kinohimmel. Doch an dieser Front stellt sich gerade eine ruhigere Wetterlage ein.

Ein Hinweis darauf, dass ein Wetterumschwung im Gange sein könnte, ist, dass das New Yorker Studio A24, das für den sogenannten elevated Horror (Hauptvertreter ist hier Ari Aster) steht, neuerdings sein Kultlogo vor Romanzen pickt. Weichgespült oder kitschig darf es dabei aber nicht zugehen. In A24-Romanzen bringen sich die Paare wohl in Gedanken häufiger um als anderswo.

Es geht zynisch zu oder analytisch, jedenfalls abgeklärt. Denn was sind wir Menschen denn nicht anderes als kuriose Studienobjekte? In Babygirl begibt sich Nicole Kidman als Chefin in eine erotische Versuchssituation mit ihrem Praktikanten (Harris Dickinson), in Materialists rechnet Dakota Johnson als Paarvermittlerin die Liebe in Zahlen auf: Größe, Wert, Gewicht, aktive Haarwurzeln am Kopf, usw. Darauf kommt es schließlich an in der Ehe, die immer schon neben all dem romantischen Klimbim ein ökonomischer Vertrag war.

Der Norweger Kristoffer Borgli geht es mit seinem nun dritten Film, nach den satirischen Hits Sick of Myself und Dream Scenario, doch ein bisserl romantischer an. The Drama beginnt mit einer zuckersüßen Kennenlernszene in einem Café. Er sieht sie, findet heraus, was sie liest und spricht sie, bewaffnet mit einer Inhaltsangabe zum Roman, an. Sie ignoriert ihn zuerst, doch aus anderen Gründen als gedacht. Bald klingeln dann schon die Hochzeitsglocken für Charlie und Emma, ein finanziell offenbar blendend aufgestelltes Paar Anfang 30, das im Bostoner Kulturbereich arbeitet.

Optisch sind die beiden ein Hit. Ihre Wohnung wirkt, wie von einem gereiften Intellektuellenpaar eingerichtet, stilbewusst und kultiviert. In die Gespräche und das Beisammensein der beiden übersetzt sich das Intellektuelle nicht. Ein Gespräch über das Kennenlernbuch findet nie statt, weil Charlie es nie gelesen hat. Stattdessen gesteht er Emma seinen uralten Aufreißertrick. Sie findet das „creepy“ und süß zugleich. Andere würden es eine „red flag“ nennen.

Bald geht es aber nicht mehr um Charlie, sondern um Emma. Bei einem Hochzeitsplanungsumtrunk mit dem befreundeten Trauzeugenpaar Rachel und Mike (fies: Alana Haim, nett: Mamoudou Athie) stachelt Rachel die Runde in bester Flaschendreh-Manier dazu an, das Schlimmste zu erzählen, das sie jemals getan hätten. Dass dabei Emmas Teenie-Gewaltfantasie stärker ins Gewicht fällt als die Taten der anderen, ist dann doch verwunderlich.

Eine Woche vor der perfekt geplanten, eigentlich biederen Hochzeit wackelt die noch nicht geschlossene Ehe bereits. Borgli setzt Emmas schockierende Vergangenheit immer wieder ins Bild und erzählt damit die Geschichte einer gemobbten und deprimierten Schülerin, die einem gefährlichen Trend aufsaß. Diese vergangene Emma steht nun plötzlich neben Charlie, dem der Angstschweiß ausbricht: Ist seine Zukünftige etwa eine tickende Zeitbombe, eine Psychopatin?

Robert Pattinson und Zendaya, zwei der talentiertesten Stars ihrer Generation, sind eine Idealbesetzung für Borglis bitterböses, wendiges Drehbuch. Dass auch hier, wie in Materialists, keine Wärme aufkommen mag für die Figuren, ist dem formalistischen Experimentiersetting geschuldet. Und doch ist The Drama eine unterhaltsame romantische Satire darüber, wie gut man sich vor dem Bund fürs Leben kennen sollten und wessen Taten mehr ins Gewicht fallen.

(Valerie Dirk, 4.4.2026 in „DER STANDARD“)

 

DETAILS:

Schauspieler: Zendaya, Robert Pattinson, Greer Cohen, Alana Haim
Regie: Kristoffer Borgli
Genre: Drama
Dauer: 106 Min
Zulassung:  14 Jahre
Land: USA  2026

 

SPIELZEIT:

Freitag,         24. April            20.15 Uhr  (Saal 1)
Samstag,       25. April            20.00 Uhr  (Saal 1)
Sonntag,       26. April            20.00 Uhr  (Saal 1)
Montag,        27. April            20.15 Uhr  (Saal 1)
Dienstag,      28. April            16.30 Uhr  (Saal 1)
Mittwoch,     29. April            16.30 Uhr  (Saal 1)