In den Wirren des 30-jährigen Krieges erscheint ein mysteriöser Soldat in einem abgeschiedenen protestantischen Dorf. Schweigsam, schmal, das Gesicht durch eine Narbe entstellt. Der Fremde behauptet, Erbe eines seit langem verlassenen Gutshofs zu sein, und kann ein Dokument vorlegen, das seinen Anspruch bestätigt. Zum großen Missfallen der Dorfgemeinde. Allerdings setzt der Fremde alles daran, hier sein Glück zu finden. Sein Streben nach Anerkennung und Akzeptanz werden aber durch sein Geheimnis erschwert: Unter falscher Identität, unter falschem Namen und unter Vortäuschung eines falschen Geschlechts hat der Soldat seinen Weg in das Dorf genommen. Doch um seine Ziele zu erreichen, wird er auch nicht vor der Unmöglichkeit einer arrangierten Ehe mit der Tochter eines Großbauern zurückschrecken. Denn wer so weit gekommen ist, hält bald alles für möglich.
ROSE feiert seine Weltpremiere im Wettbewerb 76. Berlinale und eröffnet die Diagonale 2026.
Es ist nicht das erste Mal, dass sich Regisseur Markus Schleinzer von Figuren aus Legenden der Vergangenheit inspirieren lässt, um einen Spielfilm zu realisieren. Man denke nur an den interessanten Film Angelo (2018), der von der Figur Angelo Soliman inspiriert wurde, die seit jeher Teil der kollektiven Vorstellungswelt Österreichs (und nicht nur) ist. Was hingegen sein jüngstes Werk Rose betrifft, das im Wettbewerb der Berlinale 2026 seine Weltpremiere feierte, so hat sich der Wiener Filmemacher reichlich aus zahlreichen Berichten bedient, die von als Männer verkleideten Frauen handeln, die oft auch an wichtigen Kriegen teilgenommen haben. Aber schauen wir uns einmal genauer an, wie er diese Berichte hier verarbeitet hat.
Rose (gespielt von der wie immer hervorragenden Sandra Hüller) gab sich also viele Jahre lang als Soldat aus und nahm sogar am Dreißigjährigen Krieg teil. Eines Tages taucht sie in einem abgelegenen Dorf in Deutschland auf und behauptet, der Erbe eines längst verlassenen Bauernhofs zu sein (und präsentiert sogar ein Dokument, das dies beweist). Nach vielen Jahren harter Arbeit gewinnt die Frau, die alle weiterhin glauben lässt, sie sei ein Mann, den Respekt und die Wertschätzung der Dorfbewohner:innen. Die Dinge werden jedoch kompliziert, als sie (fast) gezwungen wird, Suzanna (Caro Braun), die Tochter eines bedeutenden Grundbesitzers, zu heiraten.
Die Entscheidung, sich als Mann auszugeben, sich ein Erbe anzueignen, das sonst verloren gegangen wäre, und sich durch harte und ehrliche Arbeit ein Leben aufzubauen, ermöglichte es unserer Rose, sich endlich frei zu fühlen. Viel freier als die meisten Frauen ihrer Zeit. Aber wie hoch ist der Preis dieser Freiheit? Bei der Inszenierung dieses wichtigen Spielfilms hat Markus Schleinzer die Handlung vor mehreren Jahrhunderten angesiedelt, wodurch seine Geschichte jedoch aktueller denn je ist (besonders interessant ist in diesem Zusammenhang die unerwartete Solidarität zwischen Rose und Suzanna).
Ein elegantes Schwarz-Weiß erwies sich zu diesem Zweck als die richtige Lösung, um diese Geschichte zeitlos zu machen, aber auch, um dem Zuschauer das starke Gefühl der Klaustrophobie zu vermitteln, das man empfinden kann, wenn man ständig gezwungen ist, mit einer Lüge zu leben. Und dieses Gefühl der Klaustrophobie wird auch dann nicht gemildert, wenn die Kamera uns die Umgebung in einer Totale zeigt, wenn man sich, endlich frei in der Natur, von allen Bindungen und Konventionen befreit fühlen sollte.
Interessant ist, dass in Rose Markus Schleinzer, der jahrelang mit Regisseur:innen wie Michael Haneke oder Jessica Hausner zusammengearbeitet hat, seine eigene Filmsprache und seinen Ansatz hinter der Kamera weiterentwickelt hat und einen ganz eigenen Stil gefunden hat, indem er uns oft die Ereignisse aus der Ferne zeigt (wie zum Beispiel, wenn wir sehen, wie sich die Dorfbewohner:innen vor dem Haus der Protagonistin versammeln), aber vor allem den Emotionen der Figuren selbst große Bedeutung schenkt (besonders wirkungsvoll sind in diesem Zusammenhang die intensiven Nahaufnahmen des für diesen Anlass entstellten Gesichts von Sandra Hüller).
Und so nimmt eine zeitlose Geschichte, viele Legenden, endlich Form auf der Kinoleinwand an, durch ein Werk, das insgesamt linear, aber semantisch viel komplexer ist, als wir zunächst glauben mögen. Eine Geschichte, in der die Gesellschaft, die Religion und das starke Bedürfnis, diejenigen zu verurteilen, die ein anderes Leben führen als wir, gestern wie heute das Schicksal vieler, zu vieler Menschen verändern können.
(aus „Cinema Austriaco“)
Schauspieler: Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese
Regie: Markus Schleinzer
Genre: Drama
Dauer: 93 Min
Zulassung: ab 12 Jahre
Land: Österreich, Deutschland
Erscheinungsdatum: 2026
Freitag, 24. April 18.00 Uhr (Saal 2)
Samstag, 25. April 18.15 Uhr (Saal 2)
Sonntag, 26. April 20.15 Uhr (Saal 2)
Montag, 27. April 20.00 Uhr (Saal 2)