Zwei Jahre nach dem tragischen Untergang eines Fischerbootes, der eine kleine Küstenstadt erschüttert hat, beschließen die Mitglieder der Rondalla, einer traditionellen Musikgruppe, wieder zusammenzukommen, um ihre Begeisterung zurückzugewinnen und die Trauer hinter sich zu lassen. „Daniel Sánchez Arévalo erzählt in seinem Ensemblefilm eine vielgestaltige Geschichte über Abschied und Neubeginn. Die Tragikomödie punktet mit sorgfältig gezeichneten Figuren und Musik, die ihr eine besondere Vitalität verleiht.“
Warmherziges Kino aus Spanien, voller Humor und Lebensfreude.
Früh morgens braust Andrea (Judith Fernández) mit dem Moped zum Friedhof. Am Grab ihres Vaters spielt sie Dudelsack, Tränen in den Augen. Auf den Tag genau ist es nun zwei Jahre her, dass Antonio bei einem Schiffsunglück starb. Er war der Kapitän eines Fischerbootes mit neun Mann Besatzung, von denen nur zwei überlebten. Und er war der Dirigent der örtlichen „Rondalla“-Musikgruppe. Seitdem lebt das ganze Fischerdorf A Guarda an der rauen nordwestspanischen Atlantikküste in Trauer und Verstörung. An das gemeinsame Musizieren, das die Leute früher so zusammenschweißte, ist nicht zu denken. Fast alle sind zögerlich, als Luis (Javier Gutiérrez), Antonios bester Freund und sein möglicher Nachfolger als Dirigent, einen ersten Vorstoß wagt, die Tradition wieder aufzunehmen. Luis möchte das Dorf gern auf den Wettbewerb von Rondalla-Gruppen in vier Monaten vorbereiten, stößt aber auf wenig Gegenliebe. Zum Glück bringt Carmen (María Vázquez), Antonios Witwe und seit Kurzem Luis‘ heimliche Geliebte, mehr Power und Geschick auf, um die anderen mitzureißen.
Ein Youtube-Video gab den Ausschlag. Der Produzent zeigte es Regisseur Daniel Sánchez Arévalo, und der war sofort Feuer und Flamme. Die Aufnahme zeigt eine Rondalla-Gruppe bei einer Interpretation des Hard-Rock-Hits Thunderstruck von AC/DC. Wie ein Derwisch tanzt der Dirigent im schwarzen Kostüm vor den Männern und Frauen, Kindern und Alten, ebenfalls in Kleidern wie aus dem Mittelalter. Der „Vorturner“ klatscht und feuert sie an, die Dudelsackspieler und Trommler, die Akkordeonistinnen und die Leute mit den Kastagnetten. Dann hält er inne, wendet sich an die Menschen, die auf der Straße dem Umzug zusehen, und bringt sie zum Mitklatschen und Singen – ein Volksfest in müheloser Verschmelzung von Tradition und Moderne. Einiges davon ist in den Film eingeflossen: der Drive, der hämmernde Beat und die Hochspannungsenergie, wenn 100 Leute die Basstrommel schlagen, sich die Seele aus dem Leib blasen und in komplexen Choreografien Fahnen schwenken. Zugegeben: Man muss diese Musik mögen, die an keltischen Folk erinnert, um den Film in allen Zügen genießen zu können. Sie ist das Herz, das die Organe mit Blut vollpumpt: die Dramaturgie, die Figurenkonstellation sowie den Mix aus Komödie und Trauerarbeit.
Der Ton, schon zu Beginn kein reines Moll, wechselt im Lauf der Handlung entschieden zu Dur. Im noch gemächlichen Andante werden die zentralen Figuren der Dorfgemeinschaft und ihr Umgang mit dem Verlust vorgestellt. Einer greift zur Flasche, ein anderer mogelt sich mit Tricks durch, ein kleines Mädchen geht zur Psychologin. Und ein größeres Mädchen, nämlich die eingangs vorgestellte, 18-jährige Andrea, verweigert sich dem Leben und seinen Chancen. Mit den ersten Proben der wieder gegründeten Rondalla zieht dann das Tempo an, es folgt eine Verzögerung, die mit dem lang verzögerten Fund des versunkenen Schiffes und der damit verbundenen Aufklärung über die verstörende Ursache zusammenhängt. Zum Ende hin vereinigen sich schließlich die Motivfäden, um mit Schmiss und Trommelwirbel ein Finale furioso vorzubereiten.
Die Tradition der Rondallas, die von Laien gespielt werden und bei denen es nicht auf Perfektion, sondern auf das Dabeisein ankommt, ist eine Form der Volksmusik, die sich inzwischen auch für Elemente des Pop geöffnet hat. Populär will auch der Film sein, das merkt man seiner Machart in jeder Pore an. Von daher verweigert er sich auch nicht dem etwas abgenutzten Schema, bei dem sich Filmfiguren auf einen wie immer gearteten Wettbewerb vorbereiten. Zwar kontrapunktiert Regisseur Daniel Sánchez Arévalo (Dunkelblaufastschwarz, 2006) das gängige Muster mit kleinen Überraschungen, baut hier und da mal einen schrägen Akkord ein oder verlagert dessen Auflösung in den Abspann, den man keineswegs verpassen sollte. Trotzdem erfindet er das Genre des Feelgoodmovies nicht neu, setzt auf kräftige Farben selbst bei Regen (die Handlung spielt im Winter, vor und nach Silvester) und verführt mit dem Charme von Fischerdörfern und Küstenlandschaften.
Neben dem stimmigen Rhythmus und der Liebe zu den „kleinen Leuten“ zählt vor allem die Charakterkomik zu den Stärken von So klingt das Leben. Regisseur und Drehbuchautor Daniel Sánchez Arévalo entwickelt das Panorama des Dorflebens vor allem über schrullig-skurrile oder screwballartige Paarbeziehungen. Besonders lustig sind die Auseinandersetzungen zwischen zwei 40-jährigen Zwillingsbrüdern, die sich plötzlich aus ihrer Symbiose lösen wollen. Oder das Verhältnis eines alten, aber gewitzten Einbeinigen zu dem tumberen dieser Brüder. Auch die verschiedenen Liebespaare ringen mit jeder Menge Hindernisse. Unterhaltsam ist der Musikfilm also auch von dieser Seite. Und trotz des vielen Regens passt er wie angegossen zu einem lauen Sommerabend – am besten sogar unter freiem Himmel.
(aus „Kino-Zeit)
Schauspieler: Javier Gutiérrez, María Vázquez, Judith Fernández, Tamar Novas, Carlos Blanco, Fer Fraga
Regie: Daniel Sánchez Arévalo
Genre: Tragikomödie
Dauer: 112 Min
Zulassung: ab 10 Jahre
Land: Spanien
Erscheinungsdatum: 2026
Samstag, 25. Juli 20.15 Uhr (Saal 2)
Dienstag, 28. Juli 20.00 Uhr (Saal 2)